Zum Entstehen der Remscheider Werkzeugindustrie

Frühindustrielle Werkzeugfertigung im Wasserhammer (Steffenshammer)
Während sich die Werkzeugindustrie in Süddeutschland und dort vor allem im Raume Esslingen erst im 19. Jahr-hundert entwickelte, reichen die Wurzeln des Kleineisengewerbes und damit der Werk-zeugherstellung im Raume Remscheid ebenso wie im Gebiet um das thüringische Schmalkalden bis weit ins Mittelalter zurück. Aber auch im 21. Jahrhundert sind die Herstellung von Werkzeug und damit zusammenhängende Gewerbezweige dank der Innovationskraft der Firmen im Wirtschaftsgefüge des Mittelbergischen ein wichtiger Faktor geblieben.

Denn ohne qualitativ hochwertiges Werkzeug - sei es als Handwerkzeug im manuellen Gebrauch oder als Hochleistungs-Maschinenwerkzeug für den Einsatz mittels einer Maschine - ist eine präzise, rationelle Herstellung materieller Produkte jedweder Art nicht möglich.

Von der Kleinschmiede zur Fabrik - Grundlagen und Entwicklung der Werkzeugherstellung in Remscheid

Eisenerzvorkommen, Holz für die Holzkohle als reinem Brennstoff und bald auch das Wasser der von reichen Niederschlägen gespeisten Bäche mit starkem Gefälle zum Antrieb leistungsstarker  Wasserräder waren Grundlage für die Entstehung der frühindustriellen Werkzeugfertigung im Raume Remscheid. So konnte hier – zunächst in kleinen Schmelzöfen, sogenannten „Rennöfen“, später in bis zu 10 Meter hohen "Hochöfen" – Stahl erzeugt und weiterverkauft oder zu Werkzeug und anderen Kleineisenartikeln weiterverarbeitet werden.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der Eisenerz-Abbau im Raume Remscheid zunehmend unwirtschaftlich. Auch waren die für den Verhüttungs-prozess erforderlichen großen Mengen an Holzkohle wegen zu starker Abholzung der hiesigen Wälder im Laufe des 17. Jahrhunderts nicht mehr verfügbar. Daher beschränkte man sich von da an auf die Veredelung von Roheisen. Dieses wurde vor allem aus dem Siegerland bezogen und dann in der Wasserhämmern im Raume Remscheid zum  sogenannten „Raffinierstahl“, dem frühindustriellen Edelstahl weiterverarbeitet. Auch wenn große Teile der Herstellung von Werkzeugen nicht unter dem Wasserhammer sondern in Kleinschmieden erfolgte, so blieben die Bäche als Energielieferant für die Wasserräder dennoch ein entscheidender Standortfaktor.

Dies änderte sich erst, als die Dampfmaschine die Produktionsabläufe revolutionierte und auf große Fabriken konzentrierte. Standortbedingt vollzog sich dieser Prozess in Remscheid jedoch zögerlicher als anderswo: Viele wassergetriebene Hämmer und Schleifkotten wurden noch bis ins 20. Jahrhun-dert hinein genutzt. Die ideale Antriebsquelle auch für die unzähligen kleinen Produktionsstätten der Remscheider Eisen- und Metallindustrie hatte sich zwischenzeitlich in den Elektromotoren gefunden: Zwischen 1895 und 1925 stieg ihre Zahl von 22 auf 1480*. Dies erklärt, weshalb sich die Werkzeug-herstellung hier nicht auf wenige Großunternehmen konzentrierte und die Firmen - ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Kraft und ihrer zum Teil weltweiten Bedeutung - bis heute weitgehend mittelständisch geprägt sind.

Waren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Rohstoff-Vorkommen, Bäche mit starkem Gefälle und das Erfahrungswissen der Menschen die entscheidenden Standortvorteile, so ist es heute vor allem die Innovationskraft der Firmen mit ihren Beschäftigten, die der Remscheider Werkzeugindustrie durch immer weitere Verbesserungen und neue Produkte ihren Vorsprung zur ausländischen Konkurrenz sichert.

*) siehe Engels, Wilhelm / Legers, Paul, Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisen-Industrie, Remscheid 1928, S. 391


 

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