Denkmal des Monats Mai 2012

Burger Straße 211b - ehem. Ärztekasino /- wohnhaus

Geschichte

In Folge der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich langsam die Anforderungen und die Mittel des Bauens zu verändern. Materialien wie Eisen, Glas und später auch Beton wurden besser nutzbar und auf Grund neuer Bautechniken setzten sich Stahlguss, Eisenskelettbau und vorgefertigte Bauelemente durch und brachten neue konstruktive und gestalterische Formen mit sich.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die Weimarer Republik erkannten auch in Deutschland die Architekten die vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Baustoffe und -techniken mit sich brachten und entwickelten daraus das so genannte "Neue Bauen". Ziel war es, durch Standardisierung und Funktionalität, Rationalisierung des Alltags, sowie durch sachlich-schlichte Innenausstattung eine völlig neue Form des Bauens zu entwickeln.

Bauhaus in Dessau

Mit dem "Neuen Bauen" werden Namen wie Walter Gropius, Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe sowie das Bauhaus in Dessau oder die Weißenhofsiedlung in Stuttgart in Verbindung gebracht.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es durch den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Als mit den so genannten "Goldenen 20ziger Jahren" eine Phase der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung und politischen Beruhigung einsetzte, führten die damit einhergehenden gesellschaftlichen Entwicklungen zu neuen Bauaufgaben.

So wurden unter anderem großflächige Siedlungen, die in diesen Zeiten auf Grund der großer Wohnungsnot zu den vorrangigen Bauaufgaben zählten, und soziale Einrichtungen wie Ledigenwohnheime gebaut.

Ansicht nach Baufertigstellung

Beschreibung

Das Ärztewohnhaus, dessen Baugenehmigung auf den 09.11.1928 datiert, wurde als Funktionsbau für die städtischen Krankenanstalten, die 1913 ihren Betrieb an der Burger Straße aufgenommen hatten, errichtet. Für den Entwurf zeichnete Ludwig Lemmer verantwortlich.  

Ludwig Lemmer bestimmte in der Zeit von 1921 bis 1933, in der er als Stadtbaurat und Beigeordneter tätig war, wesentlich die städtebauliche und architektonische Entwicklung in Remscheid. Er stellte einen Generalsiedlungsplan auf und konzentrierte sich wesentlich auf den Wohnungsbau (Siedlung Bökerhöhe, Dicke Eiche, Neuenhof, Rosenhügeler Straße und andere). 

In dem Ärztewohnhaus, auch "Ärztekasino" genannt, ist der Bruch mit der Tradition und die Einführung des modernen, funktionalen Bauens erkennbar. In klarer, schnörkelloser Architektur präsentiert sich das ehemalige Wohnheim in Opposition zu den damaligen, zahlreichen historischen Klinikgebäuden des Jugendstils.

Ansicht Westfassade 2012

Das Wohnhaus wurde in einer Eisenbetonkonstruktion errichtet, mit der in den 1920er Jahren auf der Suche nach rationellen Fertigungsmethoden auch für Wohnhäuser experimentiert wurde. Daneben spiegelt sich in dem Wohnhaus die Forderung der Zeit nach "Licht und Luft" und nach der Gestaltung des Gebäudes aus seiner Funktion heraus. Fensterbänder, Flachdach, Balkone, glatter Putz und Rundbauten gehören zum formalen und funktionalen Repertoire des "Neuen Bauens". 

Das 3-geschossige Gebäude ist von einem Flachdach bedeckt. Die Fassade korrespondiert mit der inneren Funktion, so dass jede Hausseite einen eigenen architektonischen Ausdruck aufweist. An Süd-, West- und Nordseite lagen die Appartements einheitlicher Größe mit Waschgelegenheit. In der Fassade erkennbar an querrechteckigen, zweiflügeligen Stahlfenstern.

Ansicht Ostfassade nach Baufertigstellung
Ansicht Ostfassade 2012

Die Vorderseite, die Ostseite, ist mit dem mittig angelegten Hauseingang auf die Krankenanstalt hin orientiert. Neben der Haustür liegt die Treppe, deren stockwerkverbindene Funktion durch ein vertikales Fensterband verdeutlicht wird.

 

Speisezimmer nach Fertigstellung
Speisezimmer 2012

Das ehemalige Ärztewohnhaus wurde neben den jeweiligen Individualbereichen (Appartements) zusätzlich mit Gemeinschaftsräumen ausgestattet. Hierzu zählt im 1. Obergeschoss das Speisezimmer, das als Rundbau den rechteckigen Baukörper durchstößt.

Das horizontalen Fensterband umläuft in ganzer Breite den Rundbau und bildet damit in der Fassadengliederung das rhythmische Gegengewicht zum Treppenhaus.

Des Weiteren wurden Gemeinschaftsflächen wie der große nach innen gezogene Balkon im 2. Obergeschoss und die Terrasse im Erdgeschoss auf der Westseite errichtet.

1999 wurde das Gebäude komplett saniert und beherbergt heute die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land e.V. c/o Sana-Klinikum Remscheid GmbH.

 

Das ehemalige Ärztewohnhaus wurde am 08.02.1988 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen. 

 

Kontakt

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