Denkmal des Monats August 2012

Kirche Stiftung Tannenhof

Geschichte Tannenhof

Die heutige "Ev. Stiftung Tannenhof" wurde 1896 durch den Provinzialausschuss für Innere Mission im Rheinland, das heutige Diakonische Werk, gegründet. Auf einem parkähnlichen Waldgrundstück wurde die "Evangelische Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke", die gleichzeitig "heilbare psychische Kranke" aufnehmen sollte, errichtet. Von Beginn an wurden Frauen und Männer aller Konfessionen betreut. Die Versorgung und die Pflege der Patienten wurde durch Diakonissen und Diakone gewährleistet. 1911 wurde die Einrichtung in die rechtliche und finanzielle Selbständigkeit entlassen. Den Grundbesitz sowie die bis dahin errichteten Gebäude stiftete der Provinzialausschuss der Anstalt. Der Name "Stiftung Tannenhof" leitet sich daher von dieser Übergabe und der Lage der Anstalt in einem Waldgrundstück ab. 

Die Diakonie war seit Gründung fester Bestandteil der Einrichtung und wird bis heute im Einklang mit dem klinischen und psychotherapeutischen Angebot umgesetzt. Als Diakonie wird der Dienst am Menschen im kirchlichen Rahmen und hier insbesondere die Begleitung seelisch kranker Menschen auf dem Weg zur Gesundung, bezeichnet.

Die Stiftung Tannenhof ist heute eine psychiatrische Fachklinik, in der die Evangelische Kirchengemeinde für die seelsorgliche Arbeit und die Gottesdienste verantwortlich ist.

Steintafel an der Kirche 2012

Das Leitwort der Stiftung Tannenhof lautet seit 1896: "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen Geringsten, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25, 40) und findet sich auf Steintafeln an vielen Gebäuden auf dem Gelände wieder.

Kirchengemeinde

Die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte im Jahr 1907 und schon nach einjähriger Bauzeit konnte sie geweiht werden. Sie wurde Teil der Kirchengemeinde Lüttringhausen. Bereits 1912 wurden der Stiftung Tannenhof die Rechte einer Kirchengemeinde verliehen. Dies bedeutete unter anderem, dass sie das Recht hatte, Kirchensteuer einzunehmen. Sie hatte jedoch mit der Verleihung auch die Verpflichtung, ein eigenes kirchliches Leben aufzubauen und zu pflegen. Die Gemeindeleitung erfolgte durch das Kuratorium der Stiftung Tannenhof und hatte das Recht, den "Vereinspfarrer" zu wählen. Der Geistliche Vorsteher hatte Sitz und Stimme in der Kreissynode des Kirchenkreises Lennep. Erst mit dem Erlass des so genannten "Anstaltskirchengemeindegesetzes" im Jahr 1984 konnte die Gemeinde eine eigene presbyteriale Leitung einsetzen. Diese neue Selbständigkeit wurde und wird dazu genutzt, eine aktive Kirchengemeinde aufzubauen. Neben der Seelsorge und den zahlreichen Gottesdiensten werden vielfältige Aktivitäten, wie Gemeindefeste, Bildungsveranstaltungen und Konzerte, angeboten. Die "Evangelische Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof Lüttringhausen" gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Lennep.

Turm 2012

Beschreibung

Mit der ursprünglichen Anordnung einzelner Anstaltsgebäude ausgerichtet auf eine Mittelachse entsprach der Tannenhof der damals fortschrittlichen Auffassung, wie ein modernes Krankenhaus zu planen und zu bauen sei. Im Zentrum dieses Grundrisses wurde 1907/08 die Kirche erbaut. 

Die Kirche ist eine rauverputzte zentralbauartige Saalkirche auf Bruchsteinsockel. Der geostete Grundriss ist in Form eines griechischen Kreuzes, welches gleichlange Arme hat, mit drei polygonalen Ostapsiden angelegt. Dem querrechteckigen Westturm ist im Nordwest-Winkel ein polygonaler Treppenturm angefügt. Das Langhaus mit Satteldach und seitlichen Zwerchgiebeln, die Apsiden und der Treppenturm mit polygonalen Zeltdächern sowie der Westurm mit Satteldach und Dachreiter sind mit Schiefer gedeckt. Die Fassade wird durch Putzblenden, gestuften Gesimsen und Rundbogenfenstern gegliedert. Im Westturm befinden sich ein Rosettenfenster, ein Balkon in Höhe der Glocken und das Ziffernblatt der Turmuhr unter einem abgestuften Giebel. Die Turmspitze stellt das Christusmonogramm dar, welches sich aus den griechischen Buchstaben X und P (chi und rho) zusammensetzt und somit die ersten beiden Anfangsbuchstaben des griechischen Wortes für Christus bilden. Die Turmspitze ist auch ein trigonometrischer Punkt und dient damit der Landvermessung.

Innenansicht Empore um 1920

Der Kircheninnenraum besaß ursprünglich nur eine rückwärtige Empore, die in den 1930er Jahren durch zwei Seitenemporen ergänzt wurde. 1968 wurde bedingt durch den Einbau einer neuen Orgel der Hamburger Orgelbauwerkstatt Rudolf von Beckerath eine komplett neue Empore eingebaut. Im Zuge dieses Emporenneubaus wurden die bunten Altarfenster entfernt und die Anordnung der Kanzel geändert.

In den 1980er Jahren wurden neben dem Neuanstrich der Fassade in einem rötlichen Farbton die alten bunten Altarfenster, die in einem Keller auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof aufbewahrt wurden, wieder eingebaut.

Das mittlere Fenster zeigt den auferstandenen Christus, das linke Fenster stellt die Phoebe dar, die seit dem 19. Jahrhundert als erste "Diakonisse" gilt und das rechte Fenster bildet den Stephanus ab, der als einer der ersten Diakone der Kirche gilt.    

Auch die anderen buntverglasten Fenster deuten mit ihren Darstellungen auf die Diakonischen Gemeinschaften der Evangelischen Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof hin.

Der Schmetterling in dem kleinen Fenster über dem Haupteingang wurde von der "Evangelischen Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof Lüttringhausen" als Siegelbild gewählt. 

1997 wurde der Altarraum mit einer Möblierung aus Holz und Edelstahl neu gestaltet. 

Die Beleuchtung der Kirche wurde im Jahr 2000 erneuert. Somit wurde die Möglichkeit geschaffen, unterschiedliche Lichtszenarien für die verschiedenen Aktivitäten im Kirchenraum zu ermöglichen.

Glocken 2012

Die beiden Glocken, eine tiefe Glocke mit der Inschrift: "Friede sei mit euch" und eine hohe Glocke mit der Inschrift: "Meine Zeit steht in deinen Händen" stammen aus der Erbauungszeit und wurden, wie in der Chronik der Stiftung Tannenhof vermerkt, "harmonisch auf das Geläut der Lüttringhauser Kirche abgestimmt". Das letzte Geläut am Tag findet um 19.00 Uhr statt, danach schweigt der Stundenschlag bis zum nächsten Morgen um 7.00 Uhr. Dies geschieht aus Rücksichtnahme auf die Nachtruhe der Kranken.

Das alte mechanische Uhrwerk wurde im Jahr 2000 durch eine digitale Technik ersetzt und steht heute restauriert im Eingangsbereich des" Jochen-Klepper-Hauses".

 

Die Kirche wurde mit Datum vom 10.10.1986 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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