Denkmal des Monats September 2012

Grunder Schulweg 13 - Natur-Schule Grund
"Der neue Schüler", Hasenclever um 1846/47

Geschichte

Unter preußischer Herrschaft ab 1815 wurde durch "Kabinettsordre, betr. die Schulzucht in den Provinzen, wo das Allgemeine Landrecht noch nicht eingeführt ist, vom 14. Mai 1825" das Schulwesen in allen Landesteilen verbindlich einge­führt, indem sowohl das Bauen von Schulhäusern als auch die Verteilung der finan­ziellen Lasten geregelt wurde.

1861 publizierte die "Zeitschrift für Praktische Baukunst" eine "Zusammenstellung all­gemeiner Vorschriften über die Einrichtung und den Bau von ländlichen Kirchen und Schulgebäuden".

1868 erfolgte auf Grund eines Gutachtens der technischen Baudeputation in Berlin der Erlass der "Allgemeinen Vorschriften für die räumliche Gestaltung der Schulgebäude". Darin wurde u. a. empfohlen, Lehrerwohnung und Schulräume nicht unter einem Dach zu vereinen. Zur Dorfschule sollte ein kleiner Landbesitz gehören mit Nebengebäuden, wie Scheune, Viehställen, Lagerraum für Brennmaterial und Abtritt. Es sollte ein Bauplatz mit freier Lage und guter Belichtung durch eine Hauptfensterfront nach Osten und Süd­osten gewählt werden. Der Schulraum sollte rechteckig mit einem Seitenverhältnis von 3:4 bemessen sein. Bei einer angenommenen Klassenstärke von 80 bis 100 Schülern wurden Richtmaße für Raumgröße und Raumhöhe unter Berücksichtigung ausreichender Belüftung genannt.

Nach dem Erlass von drei Regulativen zu Unterrichtsinhalten erfolgte 1872 die "Allge­meine Verfügung über Einrichtung, Aufgabe und Ziel der Volksschule".

Die "Bestimmungen über die Anlage, Einrichtung und Ausstattung der Schulhäuser der König­lichen Regierung zu Düsseldorf vom 14. April 1874" regelten Lage und Be­schaffenheit des Bauplatzes, Verteilung der Räume im Schulgebäude, Konstruktion des Gebäudes, Größe der Schulzimmer, Fußboden, Türen, Fenster, Heizung, Lufterneu­erung, Gänge, Treppen, Lehrerwohnung, Abtrittsanlage, Wasserversorgung, Schultische und Bänke. Die Lehrerwohnung sollte möglichst zwei Zimmer, Kammer, Küche, Speisekammer und Vorratskeller umfassen.  

Mit dem um 1900 errichteten Gebäude in der Ortschaft Grund werden diese Vorschriften für Volksschulen umgesetzt. Es dokumentiert damit ein Stück Ortsgeschichte und als Bautyp ist dem Objekt auch Aussage­wert für die Geschichte des Schulbaus zuzuschreiben. Zudem verkörpert der Bau das zeitgebundene gesellschaftliche Selbstverständ­nis hinsichtlich Bildung und vorschriftsmäßiger Unterrichtung der Kinder.

Beschreibung

Das Objekt wurde um 1900 als Ersatz eines bestehenden kleineren Schulhauses, welches bereits das zweite Schulhaus in der Ortschaft Grund war, errichtet. Ab 1906 er­folgten kleinere Um- und Erweiterungsbauten, 1962 wurde ein Anbau errichtet.

Grundriss Bauantrag 1962

Es handelt sich im Kern um einen schlichten, freistehenden, zweigeschossigen, fünfachsigen, verschieferten Fachwerkbau mit ziegelgedecktem Satteldach. Die zwei Eingänge mit breiten doppelflügeligen Türen, Oberlichtern, weiß gestrichener Laibung und profilierten Verdachungen befinden sich in den beiden äußeren Achsen. Die Haupteingangstür in der linken Achse liegt über vier Stufen leicht nach hinten versetzt.

Ansicht 2006

Die Fenster sind hochrechteckig, durch weiß gestrichene Profile gerahmt, sie weisen eine Kreuzteilung auf. Die leicht höheren Erdgeschoss­fenster sind durch profilierte Verdachungen und Konsolfensterbänke gestalterisch her­vorgehoben. An die rechte Giebelseite wurde 1962 ein eingeschossiger verputzter Baukörper mit leicht geneigtem vorkragenden Satteldach, separatem Zugang und fünf gereihten, annähernd quadratischen Fensteröffnungen angebaut. Hier befand sich ein Gymnastikraum mit Nebenräumen.

Die innere Struktur des Haupthauses mit zwei Klassenräumen im Erdgeschoss, Werkraum und Lehrmittel­raum, Flur, Treppenhaus und Wohnung im Obergeschoss ist annähernd erhalten. Die Ausstattung ist mit den beiden Holztreppen mit gedrechselten Balustern und reich verzierter Schmucksäule am Treppenbeginn, mit doppelflügeligen Kassettentüren zwischen Treppenhaus und Flur im linken Gebäudeteil, Kassettentüren der Klassenräume und umlaufend brüstungs­hoher Holzvertäfelung in wesentlichen Teilen erhalten.

Rückseite 2012

Mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II der Bundesregierung wurde ab 2011 das Gebäude energetisch ertüchtigt. Neben teilweise neuen Fenstern und zwei  wärmegedämmten Fassaden mit Boden-Deckel-Schalung wurde eine Holzpelletheizung eingebaut. Bei diesen Sanierungsarbeiten wurde festgestellt, dass der rechte Giebel mit angrenzenden Böden sowie ein rückwärtiger Fassadenbereich von Hausschwamm befallen waren und erneuert werden mussten. Das Fachwerk wurde rekonstruiert, mit Lehmsteinen ausgemauert und neu verschiefert. Darüber hinaus wurden die Forderungen aus dem Brandschutzgutachten umgesetzt, die Innenräume neu gestaltet und der Gymnastikraum im Anbau wird zukünftig hauptsächlich als Werkstatt genutzt.  

Ansicht 2012

In der heutigen Nutzung als Natur-Schule findet der Unterrichtsgedanke eine kontinuier­liche Fortsetzung in zeitgemäßer Interpretation, die dem Gebäude und der zugehörigen Schulhof- und Gartenfläche in idealer Weise entspricht.

Das Gebäude "Grunder Schulweg 13 - Natur-Schule Grund" wurde am 12.07.2006 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

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