Denkmal des Monats Oktober 2012

Hardtstraße 26 - Kinderhaus Westerholt

Geschichte

Der Ev. Frauenverein ließ Ende April 1870 durch die Bauunternehmer Albert Schmidt, Wilhelm Wender und Louis Dürholt auf dem Grundstück Hardtstraße 26 (früher Vicariestraße) eine "Kleinkinderschule" errichten. Diese Kleinkinderschule war der erste Kindergarten in Lennep. Fristgerecht zum 10. Mai 1871 konnte der Betrieb in dem Kindergarten aufgenommen werden. Durch zahlreiche, zum Teil recht ansehnliche Spenden, vor allem aus dem Kreis der damaligen Lenneper Fabrikantenfamilien, wurde in den folgenden Jahrzehnten die Tätigkeit des Ev. Frauenvereins unterstützt.

Die 1871 eingeweihte Kleinkinderschule muß auch im Zusammenhang mit der Nachbarbe­bauung gesehen werden. So befanden sich bereits in der Nähe das Lenneper Waisenhaus und die Höhere Töchterschule. Diese Institutionen zeugen von der Entwicklung des Lenneper Erziehungs- und Unterrichtswesens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Bevölkerungszahl.

Ansicht 1929 (Sammlung Ad. Mann Nacht, Lennep)

Im Ersten Weltkrieg wurde neben der ganztäglichen Kinderbetreuung eine Kriegsküchen­speisung eingerichtet. In den 1920er Jahren waren es dem Ev. Frauenverein und der Ev. Kirchengemeinde Lennep, die gemeinsam die finanzielle Last für den Kinder­garten getragen hatten, nicht mehr möglich, für die ständig steigenden Kosten aufzukommen. Zum einen war an dieser Misere die Inflation Schuld, zum anderen war die Zahl der Kinder­gartenkinder gestiegen, da es zu dieser Zeit weder einen städtischen noch einen katholischen Kindergarten gab. Die Stadt Lennep beteiligte sich daher ab 1924 an den Kosten. Nach der Eingemeindung im Jahr 1929 übernahm die Stadt Remscheid die Verantwortung.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozia­listen 1933 gerieten Institutionen, die sich in kon­fessioneller Trägerschaft befanden, in eine schwierige Situation. Die neuen Machthaber wollten alle Be­reiche des öffentlichen und privaten Lebens immer stärker den eigenen Ideologien unterwerfen. Davon waren auch die Kirchen betroffen. Unter großen Mühen konnte die Kinder­gartenarbeit entsprechend der bei der Gründung festgelegten christlichen Zielsetzung aufrecht erhalten werden. Hierfür verkaufte der Ev. Frauenverein das Gebäude der Ev. Kirchengemeinde Lennep, da diese einen stärkeren Rechtsanspruch hatte, als ein einzelner kirchlicher Verein. Während des Zweiten Weltkrieges wurde neben der normalen Betreuung ein Hort für schul­pflichtige Kinder eingerichtet.

Im Juni 1945 wurde die kirchliche Kindergartenarbeit wieder aufgenommen. Offizieller Träger der Ein­richtung wurde die Ev. Kirchengemeinde. Bis 1958 wurde die Kindergartenarbeit im Gebäude Hardtstraße 26 fortgeführt. Danach zog man in ein moderneres Gebäude in unmittel­barer Nach­barschaft um.

Ansicht 1990

Erst 1992 wurde das geschichtsträchtige Gebäude wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Der Verein "Kinderhaus Westerholt e.V." setzte das inzwischen her­unter ge­kommende Haus wieder in Stand und richtete einen Kindergarten ein.

Ansicht 2012

Beschreibung

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein 1½-geschossiges, verschiefertes Fachwerkhaus. Das Dachgeschoss ist mit einer profilierten Verbretterung versehen, die eine besondere handwerk­liche Qualität aufweist. Von gleicher Qualität sind auch die beiden Schwebegiebel und die Sparrenköpfe.

Detail Fenster 2012

Die Traufbretter des Satteldaches sowie die Fensterbankgesimse sind reich profi­liert. Die 5-achsige Hauptfassade wird mit einem Zwerchhaus in der Mitte über der Haustür  betont. Die Haustür hat ein fest stehendes Oberlicht und das Türblatt ist mit verschiedenen großen Kassetten versehen. Die Fenster im Erdgeschoss sind als Galgenfenster ausgebildet, im Ober­geschoss befinden sich kleinere, 2-flügelige Sprossenfenster.

Durch die umfangreiche Sanierung in den Jahre 1991/92 konnten historisch wertvolle architektonische Details wieder gewonnen werden.

Rettungsrutsche 2012

Im Jahr 2011 wurde auf der rechten Giebelseite eine Evakuierungsrutsche errichtet, über die bei einem Brand die Kinder aus dem Obergeschoss ins Freie gelangen können.

 

Das Gebäude "Hardtstraße 26" wurde am 28.01.1987 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen. 

 

Kontakt

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