Denkmal des Monats Januar 2013

Johann-Sebastian-Bach-Straße 18

Geschichte

Ansicht 2012

In der Zeit des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts wurden in den Städten eigene Baukörper für öffentliche Funktionen konzipiert. Das Jugendheim, welches im Rahmen der Jugendfürsorge von der Evangelischen Gemeinde Remscheid errichtet wurde, spiegelt dies wieder. Im Zuge der um 1900 beginnenden Stadterweiterung wurde das Jugendheim in der neu angelegten Wohnstraße 1912 erbaut.

Bereits 1913 erfolgte rückwärtig ein kleiner Anbau, durch den der Hauptsaal im 1. Obergeschoss erweitert und die im Erdgeschoss befindliche Kegelbahn verlängert wurde.

Lageplan und Ansicht Turnhalle zum Bauantrag 1927

1928 wurde rechts hinter dem Haus eine Turnhalle errichtet. Diese Halle war als doppelwandige zerlegbare "Webeco-Holzkonstruktion" konzipiert. Diese Bauweise wurde von der Firma Wilhelm Becher & Co. aus Wuppertal-Barmen hergestellt. Auf Grund des schlechten baulichen Zustandes wurde sie in den 1950er Jahren abgebrochen. 

Für das Jahr 1938 sind kleinere Eingriffe in die Bausubstanz aktenkundig, die für die Unterbringung der Bannstelle der Hitlerjugend vorgenommen wurden.

Heute dient das Gebäude der Evangelischen Lutherkirchengemeinde Remscheid als Gemeindehaus.

Beschreibung

Ansichtszeichnung zum Bauantrag 1912

Das Objekt ist freistehend, zweigeschossig und als breit gelagerter Solitärbau in neun Achsen mit mächtigem Mansarddach ausgebildet. Es zeichnet sich durch eine im Straßenraum wirksame, symmetrisch aufgebaute Ein­gangsfassade mit breitem Mitteleingang und durchgehenden, von aufgeputzten Pilastern gerahmten Fensterachsen aus. Die Pilaster werden durch breitgezogene Eier­stabbänder in den angedeuteten Kapitellen geschmückt. Die hochrechteckigen Fenster weisen kreuzförmige Flügelteilungen und kleinteilige Scheibengliederungen auf. Ledig­lich die Scheiben der Erdgeschossfenster rechts des Eingangs (die Fenster der Haus­meisterwohnung) wurden nachträglich durch Ganzglasflächen ersetzt.

Eingang 2012

Ein drei Achsen breites Zwerchhaus mit geschweiftem Giebelabschluss, flankiert von zwei kleinen Dach­gauben mit Stichbogen, betont die Baukörpermitte und verleiht der Fassade einen re­präsentativen Anspruch. Im Giebeldreieck sitzt mittig ein Halbrundfenster mit strahlen­förmiger Teilung. Den Antragsplänen zufolge wurde der Eingang von einem von Säulen oder Pfeilern getragenen und von zwei Vasen bekrönten Haubendach geschützt. Dieser Vorbau ist heute nicht vorhanden, wogegen die doppelflügelige Eingangstür mit stern­förmiger Scheibenteilung und kreuzförmig gegliedertem Oberlicht erhalten ist.

Der Baukörper knickt rückwärtig im linken Teil winkelförmig ab, wobei sich in der linken Giebelseite die Fassadenteilung in einer auf die Hauptfassade abgestimmten Form fort­setzt und mit einem etwas flacher gedeckten Zwerchhaus auf die Gestaltung der Ein­gangsfront Bezug nimmt. Die Gliederung der dem Garten zugewandeten Seiten durch verspringende Achsen, wechselnde Fensterformate und im Gebäudewinkel vortretende Bauteile ergibt sich aus der funktionalen Anordnung der Räume und nimmt sich gestalterisch zurück.

Treppenhaus 2012

Die innere Gebäudestruktur (Treppenhaus im Gebäudewinkel, Raumaufteilung) ist weit­gehend unverändert erhalten. Die Lage der ehemals bestehenden Kegelbahn im Erdge­schoss entlang der linken Giebelseite ist an Hand des wechselnden Fußbodenbe­lages (Parkett) noch zu erkennen.

Im Obergeschoss befinden sich ein großer und ein kleiner Saal.

Eingangsflur 2012

Die Ausstattung der Räume ist schlicht und von Zweckmäßigkeit bestimmt. Die originalen Türblätter mit flachen, rhombenförmigen Kassetten sind größtenteils erhalten. Die Fuß­böden der Säle sind mit Stabparkett belegt, der Erdgeschossflur weist einen zweifarbigen Steinfuß­boden auf. Die Steintreppenläufe und Stabeisengeländer sind mit wenigen schlichten geo­metrischen Zierformen versehen.

 

Das Gebäude "Johann-Sebastian-Bach-Straße 18" wurde am 04.04.2003 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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