Denkmal des Monats Februar 2013

Hohlwege der Fernhandelsstraße Köln - Lübeck
Karte nach Ploennies 1715

Mittelalterliche Fernhandelswege entstanden zumeist in den für die damalige Zeit günstigen topografischen Lagen. Im Bergischen Land suchten sie die trockeneren Höhen oder Hochflächen und gingen nur dort, wo eine Furt war, ins Tal hinab, um einen Bach oder Fluss zu überqueren. Anders als die römischen Staats­straßen waren die mittelalterlichen Wege wenig oder gar nicht befestigt. War eine Fahrspur aus­gefahren, so wurde parallel dazu eine neue eingerichtet.  

Querschnitt Hohlweg

Vor allem an den Berghängen ent­standen so im Zusammenhang mit der Erosion ausgeprägte Hohlwege. Durch die eisenberingten Wagenräder der Karren und Fuhrwerke haben sich vielfach Fahrspuren als Karrengleise im Erd­reich oder anstehendem Gestein erhalten.

Die Fernhandelsstraße Köln - Lübeck entstand im Hochmittelalter während der Hanse. Sie war ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den Nord- und Ostseehäfen. Brügge galt zu der Zeit als die bedeutenste Handelsmetropole. So wurden zum Beispiel flandrisches Tuch, Wein vom Rhein, Pelze aus Russland und Eisenwaren zu den Hansestädten transportiert, um von dort in den west- und nordeuropäischen Handel zu gelangen.

Pferdekarren

Als Zwischenstation lag Lennep an der Handelsstraße sehr verkehrsgünstig. Jeweils eine Tagesreise (ca. 35 km) lagen Köln und Dortmund von Lennep entfernt, wenn man die damaligen Reisegeschwindigkeiten zu Grunde legt. Ein Pferdekarren legte durchschnittlich 30 km pro Tag zurück, ein Reiter konnte bis zu 50 km pro Tag zurücklegen.

Als Ost-West-Landverbindung verlor die Handelsstraße im 16. Jahrhundert mit dem Niedergang der Hanse an Bedeutung. Die Strecke wurde jedoch von der aufblühenden Tuch- und Eisenindustrie im Bergischen Land weiterhin genutzt, da für den Vertrieb der Waren eine Anbindung Richtung Rhein und weiter nach Amsterdam notwendig war.

Bis ca. 1800 gab es in Mitteleuropa keine befestigten Straßen. Die ersten Straßen mit fester Fahrbahndecke entstanden unter Napoleon. Unter Vermeidung von großen Steigungen wurden 8 Meter breite Chausseen angelegt, aus denen die heutigen Landstraßen entstanden sind. So auch die Straße über Wermelskirchen, Bergisch Born nach Lennep, die heutige B 51, die die alte Handelsstraße in Vergessenheit gerieten ließ.

Beschreibung

Südlich der Straße "Handelsweg", nordöstlich des Ortsteiles Grenzwall, verlaufen auf einer Strecke von 140 Metern mehrere Hohlwege der mittelalterlichen Handelsstraße.

Von der Straße aus sind in dem nach Südsüdwesten einfallenden Gelände mehrere Fahrtrassen zu erkennen. In einem kleinen Wäldchen, unmittelbar an der Straße, laufen mindestens zwei Fahrspuren auf das angrenzende Kleingartengelände zu und werden dort von einer modernen Aufschüttung überlagert. In dem östlich angrenzenden Wiesengelände sind einzelne Fahrspuren und Verzweigungen gut erkennbar. Sie haben sich als Hohlwege im Gelände erhalten, mit einer Sohlbreite von ca. 1,50 - 1,70 Metern und einer Breite im oberen Bereich von 3,00 - 4,50 Metern. Die Tiefe der Fahrspuren liegt zwischen 0,50 und 1,30 Metern. Im anschließenden Waldgelände sind die Hohlwege durch moderne Waldwirtschaftsmaßnahmen stark verschliffen.

Hohlweg

Eine Besonderheit stellen die Huteeichen auf dem östlich angrenzenden Gelände da. Durch die Beweidung mit Rindern, Schafen und Ziegen wurde in einem Waldstück das Unterholz klein gehalten, wodurch große Bäume heranwachsen konnten. Diese Flächen werden auch als Waldweiden bezeichnet. Im Mittealter wurden hauptsächlich Schweine auf diesen Waldweiden gehalten, die mit den Eicheln der Bäume gemästet wurden. Die Bezeichnung "Hute" stammt von "Hutung" ab, und bedeutet "Vieh hüten".

Die Huteeichen sind als Naturdenkmal geschützt.

Verlauf des Handelsstraße, Deutsche Grundkarte

Ein weiteres Stück dieser Fernhandelsstraße findet sich im nördlichen Bereich der Eschbachtalsperre. Am Hang über dem Nordufer der Eschbach­talsperre liegt im Wald ein ausgedehntes Hohlwegsystem. Dieses ist nicht wie ein heutiger Weg als einzelner Strang angelegt, sondern es handelt sich vielmehr um ein unregelmäßiges Bündel solcher Stränge, die sich dem Gelände anpassen, verzweigen, vereinigen und sich gelegent­lich auch überkreuzen. Das auf einer Länge von 350 m erhaltene Teilstück weist solche Parallel­stränge in deutlicher Ausprägung auf. Auch am südlichen Talsperrenufer ist ein Wegabschnitt der Fernhandelsstraße auf Wermelskirchener Stadtgebiet erhalten.

 

Das Teilstück der Fernhandelsstraße im Bereich des Handelsweges wurde am 10.07.2002 und das Hohlwegsystem nördlich der Eschbachtalsperre am 07.08.2000 als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

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