Denkmal des Monats März 2013

Scharffstraße 7-9, Galerie der Stadt Remscheid
Katasterkarte von 1912

Geschichte

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich Remscheid vom Dorf zur Stadt. Ausgehend vom Markt mit der Ev. Stadtkirche wurde das Wegenetz ausgebaut. Zwischen der Alleestraße, die sich zur Hauptgeschäftsstraße entwickelte, der Villenstraße und der damaligen Schützenstraßen (die heutigen Konrad-Adenauer-Straße), sowie der Elberfelder Straße mit altem Rathaus, Hauptpostamt und Reichsbank entstand eine  Innenstadtbebauung mit Geschäftshäusern, Funktions- und Kommunalbauten sowie mit Villen und dazugehörigen teilweise gestalteten Gartenanlagen. Die meisten der seinerzeit prachtvollen Gebäude wurden 1943 bei dem Bombenangriff auf Remscheid zerstört.       

Ansichtszeichnung von 1878

Beschreibung Scharffstraße 7

Das Gebäude wurde um 1878 von Karl Ziegler erbaut. Es handelt sich um ein 2-geschossiges, traufständiges, verschiefertes Fachwerkgebäude auf einem verputzen Werksteinsockel. Es steht von der Straße zurückversetzt frei in einem Garten. Das Fassadenholzwerk ist reich gestaltet. Die Straßenfront zeigt vier symmetrisch angeordnete Fensterachsen gleicher Größe und Form. Sie sind als hohe Galgenfenster mit Futter, Bekleidung, schmaler Überdachung und Schlagläden ausgebildet. Sowohl die Brüstung, als auch die profilierten, vorkragenden Fensterstürze werden durch Konsolen getragen. Kennzeichnend ist das über Eck gezogene profilierte Traufgesims mit Zahnschnitt und Konsolen, auf denen das Satteldach liegt. 

Eingangstür 2013

Die Eingangstür ist 2-flügelig mit Oberlicht. Zeittypische gusseiserne Gitter schützen die Glasscheiben im oberen Teil der Türblätter. Gusseisen ist in ähnlich filigraner Ausführung auch für das gläserne Vordach verwandt worden. An der Rückseite wurde ein 2-geschossiger Toilettenanbau auf rechteckikgem Grundriss mit abgeschrägten Ecken nachträglich errichtet.

Treppe 2013

Wie im Äußeren ist die Gestaltung auch im Inneren einer symmetrischen Aufteilung unterworfen. Der Boden im Eingangsbereich ist mit "Mettlacher Platten" belegt. Zu dem höher gelegenen Flur führen drei Stufen, so dass das Flurniveau als Wange bis zum unteren Stufenansatz fortgeführt wird. Die Flurdecke ist mit Stuckornamenten gestaltet. Die 2-läufige Treppe liegt rechtwinklig zum Flur in der Mitte des Gebäudes und hat einen mit Schnitzwerk versehenen Antrittspfosten und gedrechselte Treppenstäbe. In den beiden straßenseitigen Räumen sind die Decken mit Stuck und Ausmalungen besonders gestaltet. Die Innentüren sind kassettiert.

Ansichtszeichnung zum Bauantrag 1912

Beschreibung Scharffstraße 9

Das Haus wurde später als das Nachbargebäude "Scharffstraße 7" erbaut. Es wurde 1912 für den Fabrikanten August Becker errichtet. Es handelt sich um ein 2-geschossiges, verschiefertes Fachwerkhaus auf hohem Sockel. Bauplastik und Ornamentik von Fenstern, Türen und Verschieferung spiegeln mit ihrer neubergischen Formensprache die traditionell-konservative Architekturhaltung in der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts wider.

Das Mansarddach auf dem profilierten Traufgesims wirkt durch zahlreiche Giebel und Vorbauten in seiner Form aufgelockert. Die Vorderfront wird durch einen Mittelrisalit gegliedert. Die Vertikale ist durch 2-geschossige Pilaster an den Ecken und durch den geschweiften Giebel, dessen Ort­gang die Pilaster farblich weiterführt, besonders betont. Der Risalt wird im Erdgeschoss noch zusätzlich durch einen Erker akzentuiert, der im Obergeschoss als Balkon dient. Die Fenster des Hauses sind von unterschiedlicher Größe und weisen Stürze mit mittigen Kartuschen auf. Der Eingang liegt unter einem Baldachin und ist zur Straße orientiert. Der hölzerne Baldachin über der Freitreppe steht auf gedrehten Säulen. Die Eingangstür mit Oberlicht weist neobarocke Formen auf. An der Rückseite befindet sich ein Nebeneingang in einem kleinen Anbau, dessen Dach wiederum als Balkon genutzt wird und vom Podest der inneren Treppe zugänglich ist.

Treppe 2013

Die Innenaufteilung ist sowohl repräsentativ als auch funktional. Im Zentrum liegt eine große rechteckige Diele, von der die Wohnräume erschlossen werden. Die Wände der Diele und des Treppenhauses sind mit hölzernen Kassetten getäfelt und in Form und Material auf die Türen und Treppe abgestimmt. Die Stäbe des Treppengeländers stimmen formal mit den Säulen des Baldachins überein. Der Boden in dem linken, zum Garten hin orientierten Raum, ist mit "Mettlacher Platten" belegt. Die Innentüren sind kassettiert und in den Räumen im Erdgeschoss sind die Decken mit zurückhaltenen Stuckornamenten gestaltet. 

 

Verbindungsgebäude 2013

1989 wurden beide Gebäude im Zuge der Umnutzung zur "Städtische Galerie" umgebaut. Zusätzlich wurde ein Verbindungsgebäude aus Glas und Stahl zwischen den Häusern errichtet.

Die Galerie zeigt ständig wechselnde Ausstellungen. Darüberhinaus finden Konzerte und Performances, Führungen, Lesungen und Vorträge statt. Das aktuelle Programm ist über den nebenstehenden Link zu erreichen.

 

Die Gebäude "Scharffstraße 7" und "Scharffstraße 9" wurden am 10.12.1985 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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