Denkmal des Monats April 2013

Mannesmann-Turm, Burger Straße
Ansicht Mannesmannwerk um 1880

Geschichte

Früh erkannten die Brüder Reinhard (1856-1922) und Max Mannesmann (1857-1915) die Gefährlichkeit geschweißter Stahlrohre, die oft dem hohen Druck in dampfbetriebenen Anlagen nicht standhielten. Die väterliche Feilenfabrik in Bliedinghausen wurde zum Versuchslabor, in dem die Brüder nach einer Lösung suchten, aus Stahlblöcken Hohlkörper zu walzen. 1885 meldeten sie ihr erstes Patent an. Ein Jahr später walzten sie ihr erstes nahtloses Rohr. Das neue Verfahren dienste zunächst nur zu Herstellung kurzer, dickwandiger Rohre. Für das Verfahren und das Walzwerk "zum Formen und Kalibrieren von stabförmigen Körpern und Platten mit pilgerschrittförmiger Bewegung des Werkstückes" erhielt Max Mannesmann dann am 06.03.1891 das Patent. Die dickwandigen Rohre wurden hierbei durch eine Hin- und Herbewegung auf einer Rundwalze über einen Dorn dünnwandig ausgewalzt. Der Vergleich mit der Vor- und Zurückbewegung der Pilger bei der Echternacher Springprozession gab diesem Verfahren den Namen "Pilgerverfahren". Noch heute wird diese Technik bei der Produktion nahtloser Rohre angewandt.

Auf Grund der hohen Stabilität der neuen Rohre, konnten mit ihnen leichtere und höhere Gerüste, Leitungsmasten, Telegrafen-, Hochspannungs- und Sendemasten gebaut werden.

Signet "MW" 2013

In den 1950er Jahren wurde eine Vielzahl von Reklamemasten errichtet, die in erster Linie Werbeinteressen und Präsentationsabsichten der Firma Mannesmann dienten. So wurden unter anderem in Düsseldorf, Hannover und Sao Paulo Werbemasten mit dem Signet "MW" (Abkürzung von "Mannesmannröhren-Werke) erbaut. Konstruiert wurden diese von Josef Fröhlich, Chefkonstrukteur der Abteilung Rohrkonstruktion bei der Mannesmannröhren-Werke AG in Düsseldorf-Rath. Das Signet "MW" war bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Peter Behrens entwickelt. Behrens gilt als Prototyp des Industriedesigners und zugleich als Erfinder des Corporate Design´s.

Ansicht 2013

Beschreibung

Über einem dreieckigen Grundriss steigen drei sparsam dimensionierte Stahlrohre konkav einge­zogen nach oben auf, um sich in der Höhe in die doppelte Kreisform des Markenzeichens "MW" auf den geringsten Abstand voneinander zu vereinigen. Regelmäßige Diagonal-Röhrenstreben füllen diese Umrissgestalt über den Kreuzverbänden des Sockelteils stabilisierend aus. 

Der Werbepylon ist am höchsten Punkt 59 Meter hoch und wurde am 21.08.1961 in Betrieb genommen. 75 Jahre nach der Erfindung des nahtlosen Rohres wurde die Neon-Beleuchtung des "MW"-Zeichens angeschaltet. Seit einigen Jahren wird auf die Beleuchtung verzichtet. 

Der Mannesmann-Turm Remscheid fungiert als markante Baufigur einer nach dem Zweiten Weltkrieg wiederauflebenden deutschen Schwerindustrie, die ihre sich wieder entwickelnde Weltgeltung mit signifi­kanten Merkzeichen ins Bewusstsein brachte. Besondere Aussagekraft entwickelt der Remscheider Turm auf Grund der Tatsache, dass er im unmittelbaren Weichbild der "Wiege" des Mannesmann-Konzerns positioniert wurde, wo er neben der stadtbild­prägenden Funktion ("Blauer Mond" von Remscheid) auch die der Erinnerung an den örtlichen Aus­gangspunkt einer auf einer bahnbrechenden Erfindung beruhenden industriellen Ent­wicklung besitzt.

Als technisches Bauwerk inkorporiert er auch gleichzeitig das Leitprodukt der Mannesmann-Röhrenwerke, das nahtlose Stahlrohr.

Detail der Konstruktion 2013

Seine Umrissgestalt bezieht er aus den spezifischen Eigenschaften der Röhren­konstruktion, die ein sehr leicht wirkendes Erscheinungsbild mit der notwendigen Statik verbindet.

Somit fließen in diesem Ingenieurbau, ähnlich dem "Bayer-Kreuz" in Leverkusen, zahl­reiche Ge­schichtsstränge deutscher Technik- und Wirtschaftsgeschichte in der Phase des Wiedererstarkens nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Die typische Ästhetik des Turms ist auf den ersten Blick ablesbar.  

Nach dem Verlust des Düsseldorfer Turms Mitte der 1980er Jahre und dem Verschwinden von weiteren Bauten dieser Art ist der Remscheider Turm nach gegenwärtigem Kenntnisstand das letzte nordrhein-west­fälische Beispiel seines Typs.

Heute dient der Turm unter anderem als Sendemastanlage.

 

Der an der Burger Straße stehende "Mannesmann-Turm" wurde am 04.09.2002 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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Buchtipp

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von Horst A. Wessel (Hg.), erschienen im Klartext-Verlag