Denkmal des Monats Juni 2013

Genius des Lichts - Thüringsberg

Geschichte

Foto Denkmal 1935 (Quelle: Historisches Zentrum)
Denkmal 1935 (Quelle: Historisches Zentrum)

Im Jahr 1929 beschloss das Präsidium der Rheinisch-Westfälischen Röntgengesellschaft unter dem Vorsitz des Münsteraner Internisten und Radiologne Prof. Dr. Paul Krause Spenden für die Errichtung eines Denkmals zu Ehren Wilhelm Conrad Röntgens (1845-1923) an seinem Geburtsort Lennep zu sammeln. Nach Ausschreibung eines Wettbewerbes entschied man sich für einen Entwurf von Arno Breker, mit dem Namen "Genius des Lichts". Die Enthüllung des Denkmals, dass am Thüringsberg errichtet wurde, fand am 30. November 1930 im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung der Röntgengesellschaft im Röntgen-Gymnasium statt.

Arno Breker (1900-1991) war ein deutscher Bildhauer und Architekt, der während seiner Schaffenszeit eine Vielzahl von Kunstwerken, wie Skulpturen, Reliefs und Bronzebüsten geschaffen hat. Beispiele sind die "Pallas Athene" in Wuppertal, Reliefs und Brunnen im Gereonsviertel in Köln oder auch die Bauplastiken an den Verwaltungsgebäuden der Polizei am Quimperplatz und entlang der Martin-Luther-Straße in Remscheid.

Beschreibung

Ansicht 2013

Auf einem hochrechteckigen Postament aus Muschelkalk mit einem Flachrelief-Portrait im Profil mit eingemeißelter Inschrift "Wilhelm C. Röntgen" erhebt sich eine lebensgroße weibliche Figur aus Bronzeguss, der "Genius des Lichts". Die Figur stellt auf einer Erdscholle ihren rechten Fuß schreitend vor.

Detail Fuß 2013

Der Unterkörper wird von einem Gewand verhüllt, das mit einem Wulst die Hüfte gürtelt. Der Wulst des Gewandes ist mit einem eng gefalteten Stoffstück verbunden, der der Figur um den linken Arm gelegt ist. An der Vorderseite spannt das Gewand um die voluminösen Beine, an der Rückseite flattert der Gewandstoff in großem Bausch zurück und stabilisiert zugleich die Figur auf ihrem Sockel. Der Oberkörper ist nackt. In der rechten Hand trägt der "Genius des Lichts" eine brennende Fackel und schirmt diese mit der linken vor dem Windzug ab, der in dem flatternden Gewand ablesbar ist. Der Kopf ist streng nach vorne gerichtet, die Züge sind ausgeprägt, die Haare am Hinterkopf zu einem Knoten gebunden. Der Blick wirkt stechend, leidenschaftlich, auf ein Ziel fixiert.    

Arno Brekers "Genius des Lichts" folgt einem Darstellungstypus, der aus der poetischen Allegorie, wie sie insbesondere zur Zeit der Renaissance und des Barocks die Bildwelt prägte, herzuleiten ist. Abstrakte Begriffe wurden durch Frauengestalten mit Attributen verkörpert, anhand derer die entsprechende Figur zu deuten war und die besonderen Eigenschaften dieser Allegorie bezeichneten.

Ansicht 2013
Abbilung Connaissance 1766
Darstellung "Connaissance" 1766 (Quelle: "Denkmalpflege im Rheinland", Ausgabe 20. Jahrgang Nr. 2, 2. Vierteljahr 2003, Landschaftsverband Rheinland)

Die Gestalt kommt einer Allegorie nahe, die in den Ikonologiebüchern des 17. und 18. Jahrhunderts als "Connaissance" - Kenntnis, Erkenntnis, Wissen - beschrieben und dargestellt wird. In den Darstellungen studiert sie in einem Buch und hält eine brennende Fackel in der Hand. Weitere Attribute dieser Figur sind ein Globus und Heilpflanzen. Das Symbol der Fackel steht im Röntgen-Denkmal für die schöpferische Erleuchtung und spiegelt den Forscher- und Entdeckergeist Röntgens wider.  

 

 

 

Der "Genius des Lichts" wurde am 12.05.1998 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.