Denkmal des Monats Juli 2013

Hastener Straße 11

Geschichte

Die Entwicklung und Ausweitung der Industrie seit Mitte des 19. Jahrhunderts spiegelte sich im Wachstum Remscheids und seiner Ortsteile wider. Mit der Einführung von Gasmotoren und später mit der Elektrizität war die Werkzeugherstellung nicht mehr an die Wasserkraft in den Tälern gebunden, sondern es konnte nun auch an verkehrs- und transportgünstigen Orten produziert werden. Für Hasten bewirkte die Intensivierung der Bebauung das Zusammenwachsen der bisher zerstreuten Siedlungen zu einem zusammenhängenden Stadtquartier. 

Firmenlogo

Die Firma J. W. Edelhoff & Co. folgte diesem Trend und ließ 1876 in der Straße Bremen, später Bremerstraße, heute Edlehoffstraße, eine neue Schmiede für die Sägenherstellung erbauen und erweiterte in den Folgejahren ihren Betrieb.

Ansicht nach 1910 (Quelle Historisches Zentrum)

Unweit dieser Betriebsstätte hatte der Miteigentümer der Firma, Richard Heinrich Edelhoff (01.03.1857 - 25.02.1937) seinen Wohnsitz. Das villenartige Gebäude, in exponierter Lage an der Straße von Wuppertal über Hasten nach Remscheid, der heutigen Hastener Straße, verdeutlicht den Anspruch der damaligen Zeit. Zugehörig ist ein großes parkähnliches Grundstück, das unmittelbar an den Stadtpark angrenzt.

Edelhoff war in der Zeit von 1910 bis 1929 Stadtverordneter und engagierte sich für soziale Projekte. 1911 stiftete er 20.000 MK für den Krankenhausneubau an der Burger Straße. 1910 spendete er Geld für neue Kirchenfenster in der Pauluskirche und 1918/19 erwarb er in Bad Honnef ein Villenanwesen, welches er seiner Heimatstadt Remscheid zur Errichtung eines Kinderheimes, das dort bis zum 2. Weltkrieg betrieben wurde, überließ bzw. stiftete.  Darüber hinaus übertrug er mit dem Schenkungsvertrag vom 19.07.1919 der Stadt Remscheid Geld. Hieraus entstand die "Edelhoff-Stiftung", die die Förderung der Jugendhilfe zum Ziel hat.

Die Grabstätte von Richard Heinrich Edelhoff befindet sich auf dem Friedhof Hasten.

Lageplan zum Bauantrag 1910

Beschreibung

Das Erbauungsjahr des Wohnhauses ist nicht bekannt, jedoch ist für das Jahr 1894 bereits ein Verandaanbau auf der straßenabgewandten Seite belegt.

Im Jahr 1900 wurde ein Bauantrag für die Errichtung eines Gewächshauses gestellt. Das Gewächshaus befand sich im westlichen Teil des Geländes und wurde 1953 abgebrochen. Im  Jahr 1902 wurde ein Aussichtsturm beantragt, der in dem großen Park errichtet wurde. Wann er abgebrochen wurde, ist nicht bekannt. 1910 erfolgte ein weiterer Anbau, der das Gebäude erheblich erweiterte.

Nordseite 2013

Das Objekt ist ein zweigeschossiger Massivbau. Die Fassaden werden neben den Galgenfenstern mit flachbogigem Sturz, die im Obergeschoss mit Gesimsen auf Konsolen ausgeführt sind, mit einem profilierten Stockwerkgesims mit Zahnschnitt sowie einem Brüstungsgesims gegliedert. Straßenseitig befindet sich im Obergeschoss mittig ein Balkon sowie rechts ein risalitartig vorgezogener Anbau. Dieser Anbau an der Nordfassade ist im Obergeschoss als Loggia ausgebildet und mit toskanischen Säulen, Ecklisenen sowie einem Giebeldach gestaltet. Das flach geneigte Zeltdach erhebt sich über einem profilierten Traufgesims mit Rosetten, Konsolen und Zahnschnitt.

Der Hauseingang befindet sich in der östlichen Fassade. Die aus der Erbauungszeit stammende Eingangstür ist zweiflügelig mit Oberlicht. Gusseiserne Gitter schützen die Glasscheiben im oberen Teil der Türblätter.

Medaillon 2013

Die westliche Fassade weist neben dem schlichten Nebeneingang zwei runde Medaillons mit Kinderdarstellungen im Obergeschoss auf. Die Darstellungen in den Medaillons lassen auf das soziale Engagement des Bauherren schließen, der keine eigenen Kinder hatte.   

Flur 2013

Das Innere des Gebäudes ist klar strukturiert. Über einen zentralen Flur, an dessen Ende sich eine hölzerne Treppe mit geschnitztem Antrittspfosten und gedrechselten Stäben  befindet, werden zu beiden Seiten die ehemaligen Wohnräume erschlossen. Der Flur ist mit schwarzen und weißen Marmorplatten in Schachbrett-Muster belegt.

Detail Lüftungsgitter 2013

Als ein besonderes technisches Ausstattungsmerkmal ist im Boden das Lüftungsgitter einer Unterflurheizung erhalten. Im Bereich des Nebeneinganges ist der Boden mit Mettlacher Platten belegt.

Auf den stuckierten Flurwänden mit Rahmenwerk und Pilastern ist eine  Marmor-Imitationsmalerei aus der Erbauungszeit in Teilen erhalten. Die schwarz-grüne Marmormalerei auf dem kassettierten Sockel konnte restauriert werden. Die ursprüngliche Bemalung der oberen Bereiche der Wände mit weißem Carrara-Marmor war nur noch fragmentarisch vorhanden und wurde in einem passenden Farbton überstrichen. 

Detail Flur 2013

Das ehemalige Jagdzimmer ist mit einer Stuckdecke, zwei Einbauschränken und einem Parkettboden gestaltet. Die jugendstiligen Heizkörper wurden Anfang des 20. Jahrhunderts eingebaut. 

Die weiteren Räume im Erdgeschoss weisen unterschiedliche Putzdekorationen, insbesondere ausgestaltete Hohlkehlen an den Decken, auf. Bauzeitliche Kassettentüren und Rahmen sind erhalten. Die Räume im Ober- und Dachgeschoss weisen keine dekorativen Elemente auf. 

Von 1964 bis 2005 befand sich das Gebäude im städtischen Besitz. Nach Verkauf und umfangreichen Renovierungsarbeiten befindet sich heute eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in dem Baudenkmal.

 

Das Gebäude "Hastener Straße 11" wurde am 10.12.1985 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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