Denkmal des Monats August 2013

Sauerbronnstraße 8 - Augusta-Hardt-Heim

Geschichte

Die weit verzweigte Familie Hardt ist eng mit der Geschichte Lenneps und der der Tuchfabrikation verbunden. Lennep verdankt dem Gemeinsinn der Familie Hardt zahlreiche Stiftungen und wohltätige soziale Einrichtungen (z. B. die ehemalige Badeanstalt in der Wallstraße von 1886, heute Jugendzentrum "Die Welle"). Besonders die Frauen der Hardt-Familie engagierten sich für soziale Projekte. Unter anderem zeugen die "Luise-Hardt-Stiftung" (Kinderhaus Westerholt - Hardtstraße 26) und die "Anna-Hardt-Stiftung" (Tuchmuseum - Hardtstraße 2) von dem hilfsbereiten und wohltätigen Wirken.

Porträt Augusta Hardt
Porträt Augusta Hardt (Quelle: "Geschichte unserer Stadt", 2008)

Auch Augusta Hardt (1876 - 1954), geborene Fuhrmann, Ehefrau von Hermann Hardt (1866 - 1938, Kaufmann, Tuchfabrikant, Stadtverordneter, Ehrenbürger von Lennep) hinterließ Spuren ihres gesellschaftlichen Engagements in Lennep. Als Mitglied des Evangelischen Frauenvereins, der sich die Fürsorge der Kinder zur Aufgabe gemacht hatte, tätigte sie 1906 eine Schenkung, mit der eine "Kleinkinderbewahranstalt" im Süden von Lennep errichtet wurde, der heutige Kindergarten an der Ringstraße 34.

Ansicht 1929 (Quelle: Publikation der Stadt Lennep, 1929)

Ein großes Anliegen von Augusta Hardt war die Säuglingsfürsorge. In Reaktion auf die relativ hohe Säuglingssterblichkeit errichtete sie 1911 in der Sauerbronnstraße 8 ein Säuglingsheim. Das Heim, welches von Diakonissen aus Düsseldorf-Kaiserswerth geleitet wurde, bestand bis 1933. In Zeiten des Nationalsozialismus wurde das Gebäude für Büros und Versammlungsräume der Volkswohlfahrt und zur Unterbringung einer Jugendheimstätte genutzt.

Nach Ende des 2. Weltkrieges schenkte Augusta Hardt das Haus der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep mit der Auflage, dort ein Wohnheim für Frauen einzurichten. Diese Einrichtung, inzwischen als "Augusta-Hardt-Heim" bezeichnet, wurde 1979 geschlossen und 1982 von der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep als Wohnheim für psychisch kranke Menschen wiedereröffnet.

Heute wird die Einrichtung von der "Augusta-Hardt-Heim gemeinnützige GmbH" geführt. Sie ist Dienstleisterin mit christlichem Wertehintergrund, geprägt und getragen durch ihre Gesellschafterinnen, die Evangelische Kirchengemeinde Lennep und die Evangelische Stiftung Tannenhof. Das gemeinnützige, diakonische Unternehmen bietet umfassende und vielfältige Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe für Psychiatrie-Erfahrene. Neben stationärem Wohnen werden ambulant betreutes Wohnen und ein ergotherapeutischer Dienst angeboten.

Beschreibung

Das Gebäude wurde südlich des mittelalterlichen Stadtkerns von Lennep in einem planmäßig angelegten Stadterweiterungsgebiet des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts gebaut. Neben qualitätvoller Wohnbebauung wurden in dem Quartier auch genossenschaftliche Siedlungsanlagen, Gemeinanlagen und öffentliche Gebäude errichtet.

Zu dieser Zeit entwickelte sich ein ausgeprägtes regional-traditionalistisches Bauen, der so genannte "Bergische Heimatstil". Dabei wurden bevorzugt Elemente der bergischen Patrizierhäuser des späten 18. Jahrhunderts verwendet: der "Farbdreiklang" Schwarz-Weiß-Grün, die aufwendige Gestaltung der Häuser mit Schiefer, besonders der Dachzonen, die Verwendung von spätbarockem Formengut (Schweifgiebel, Steildächer usw.). 

Das 1911 erbaute Säuglingsheim folgte zwar modernen Architekturauffassungen (u. a. verputztes Erdgeschoss, Innenausstattung), es verwies gleichzeitig aber auch auf die bergische Bautradition (Schieferfassade und -dach, Farbdreiklang).

Ansichtszeichnung zum Bauantrag 1911
Ansichtszeichnung zum Bauantrag 1914

Der eingeschossige Ursprungsbau gliederte sich in einen giebel- und einen traufständigen Gebäudeteil. Bereits 1914 erfolgte ein Anbau, so dass die Gesamtansicht in eine Symmetrie überführt wurde. Für die Bauausführung war die Lenneper Firma Wender & Dürholt verantwortlich.

Kinderdarstellungen Eingang 2013

Der 3-achsige und mit 3-bahnigen Fenstern ausgestattete Mittelbau nimmt im Inneren das Treppenhaus auf. Neben der Hauseingangstür, die als Kassettentür ausgeführt ist, befinden sich zwei plastische Darstellungen von spielenden Kindern.

Über dem hell verputzten Erdgeschoss erhebt sich ein hohes, verschiefertes Mansardwalmdach. Die Fassaden werden durch das kleinteilige Sprossenwerk der Schiebefenster, Schlagläden sowie profilierte Ortgang- und Walmprofile gegliedert.

Ecktürmchen 2013

Auf der Rückseite ist der Mittelteil als Riegel vorzogen und die Gebäudeecken werden im Bereich des ausgebauten Mansarddachgeschosses mit Ecktürmchen und geschweiften Hauben akzentuiert.

Das Gebäudeinnere wird über das zentrale Treppenhaus erschlossen und beherbergt moderne Wohn-, Aufenthalts- und Wirtschaftsräume.

Backhaus 2013

Zur Erweiterung des bestehenden Betreuungsangebotes der Einrichtung wurde 2013 ein Backhaus errichtet, das sich auf Grund seines Grundrisses in Fischform als christliches Symbol, mit seiner Bauausführung und seiner Lage am Rande des großzügigen Gartens harmonisch in die Umgebung einfügt.      

 

 

Das Gebäude "Sauerbronnstraße 8" wurde am 31.05.1983 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eintragen.