Denkmal des Monats Oktober 2013

Klostergasse - Klosterkirche Lennep

Geschichte

Situationsplan Areal Klosterkiche 1849 (Quelle: Historisches Zentrum)

1641 erhielten die Kölner Franziskaner-Minoriten die Genehmigung, in der Stadt Lennep ein Haus zu erwerben, um dort eine Übernachtungs- und Anlaufstelle für reisende Ordensmitglieder einzurichten. Minoriten oder Franziskaner-Minoriten sind eine Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche. Sie werden auch Franziskaner-Konventualen oder, nach der Farbe ihres Habits, "Schwarze Franziskaner" genannt. Der Orden ist heute noch existent.

Mit dem Erwerb des Hauses war die Verpflichtung verbunden, für die wenigen verstreuten Katholiken in der protestantisch geprägten Region den Gottesdienst abzuhalten und in drei Klassen den Schulunterricht durchzuführen. Im Laufe der folgenden Jahre wurde der kleinen Niederlassung umfängliches Pfarrrecht erteilt und es wurde wieder eine katholische Pfarrei in Lennep begründet.

Das Recht zur Klostergründung wurde 1664 erteilt, doch erst 1677 konnte mit dem Bau des Klosters auf dem Gelände des ehemaligen "Bongartshofs" begonnen werden. Nach vierjähriger Bauzeit konnte das neue Domizil bezogen werden. Die zu dem Kloster gehörige Kirche wurde 1700 geweiht und schloss damit die eigentliche Gründung der Lenneper Minoriten-Niederlassung ab. In den Folgejahren wurde die Anlage durch die Errichtung weiterer Nebengebäude, einschließlich der Klosterschule erweitert. 

Im Zuge der Säkularisation 1803 wurde das Kloster aufgelöst. Große Teile des beweglichen Klosterbesitzes wurden versteigert und die Gebäude umgenutzt. Die Klosterkirche wurde noch bis zur Entweihung 1875 als Gotteshaus genutzt. Die Kirchenräume dienten danach als Lager für Lenneper Tuchmacher, bis die Kirche und das frühere Konvent mit dem dazugehören Hof­raum 1887 von Carl Mühlinghaus erworben wurden.

Briefkopf der Firma Mühlinghaus 1890

1888 wurde die ehemalige Kirche in eine Fabrikationsstätte umgebaut und mit den bereits umgenutzten Gebäuden der ehemaligen Klosteranlage zu einer Trikotagenfabrik ausgebaut.

Ansicht 1970er Jahre
Ansicht 1970er Jahre

1975 erfolgte die Einstellung der Produktion. Anfang der 1980er Jahre wurde nach einem Wettbewerb das Gelände über­plant und bis auf den frei geräumten Innenhof und die Klosterkirche in den Jahren 1987 und 1992 neu bebaut. 

Für die Rettung der ehemaligen Klosterkirche gründete sich 1983 der Verein "Klosterkirche Remscheid-Lennep e.V". Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen konnte das Gebäude 1987 als Kultur- und Begegnungsstätte eingeweiht werden. In den Folgejahren wurde die Anlage mit An- und Umbauten erweitert.  

Beschreibung

Aussagekräftige Bauzeichnungen, Lagepläne oder Ortsbeschreibungen liegen aus der Klosterzeit kaum vor. Erst mit dem Umbau der Klosterkirche 1983 und der umfangreichen archäologischen Grabung 1990 im Zuge der Neubebauung des Areals konnten  Informationen zum Kloster gesammelt werden. So wurden bei der Grabung Wand- und Fundamentteile des Konventgebäudes mitsamt einem Kellerabgang und ein Brunnen frei gelegt.

Grabungsplan von 1990 (Quelle: Landschaftsverband Rheinland)

Ursprünglich bestand die Klosteranlage aus der Kirche und dem angebauten Konvent mit Kreuzgang und Innenhof. Der Westflügel wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen, so dass die Anlage nur noch dreiflügelig war. Nördlich des Konvents lag der Klostergarten und im Südbereich ein kleiner Friedhof. Die Wirtschaftsgebäude lagen im östlichen Bereich. Die Klosterschule befand sich außerhalb des Klausurbereiches, aber noch innerhalb des Klosterbezirkes im Westen.

Ansicht Südseite 2013

Die Kirche ist in einfacher und klarer Form ausgeführt. Sie ist ein nach Osten gefluchteter, länglicher Bau ohne Untergliederungen, aufwändigen Verzierungen oder Querwerk und ist nach dem Schlichtheitsgebot des Ordens errichtet worden. Sie ist 26 Meter lang, ca. 11 Meter breit und bis zum First 17 Meter hoch. Die Außenwände sind aus grobem Bruchstein, die an der Südseite und der Apsis im Osten mit Strebepfeilern verstärkt wurden. An der Nordseite konnte auf die Verstärkung verzichtet werden, da sich hier der Konventtrakt anschloss. Das Dach ist als Satteldach ausgebildet, mit Schiefer gedeckt und ist entsprechend der franziskanischen Bautradition mit einem Dachreiter versehen. Eine im Jahr 1984 vorgenommene Altersbestimmung der noch vorgefundenen originalen Balken und Sparren der hölzernen Dachkonstruktion ergab, dass das Holz hierfür zwischen 1684 und 1687 geschlagen wurde, was mit der historisch dokumentierten Bauphase korrespondiert.

Durch die Proportionen des Bauwerks ergibt sich im Inneren ein quaderförmiger Raum. Diese schlichte Bauform als Prediger- und Volkskirche lässt sich noch heute, trotz verschiedener Umbauten, ablesen.

Gesamtansicht 1957 (Quelle: Historisches Zentrum)

Im Zuge der Umnutzung des Areals durch die Firma Mühlinghaus wurden bis zur Schließung der Fabrik 1975 eine Vielzahl von Veränderungen vorgenommen. So wurden neben der Umnutzung der Kirchenräume als Erweiterungsbauten 1905 auf dem Boden des ehemaligen Kreuzganges ein Lagerschuppen und parallel dazu in der Mitte des Innenhofes eine Kesselanlage mit Schornstein erbaut. 1915 wurde die Kesselanlage erweitert und überdeckte den gesamten Innenhof. 

Im Rahmen der Sanierung der Lenneper Altstadt und der städtebaulichen Entwicklung der Flächen um die Klosterkirche wurden die leer stehenden Fabrikgebäude in den 1980er Jahren abgebrochen. Hier entstand 1987 eine Wohnbebauung. 

Innenhof 2013

Erhalten geblieben ist der ehemalige Kirchbau, der zwischen 1984 und 1987 umfangreich saniert wurde. Hierbei wurde das äußere Erscheinungsbild nahezu erhalten. Auf Grund des neuen Nutzungskonzeptes wurde der Innenraum verändert.

Mit den modernen Anbauten aus dem Jahr 1992, in Anlehnung an die Lage und die Gestaltung der Ursprungsbauten des Konvents, wurde wieder eine dreiflügelige Anlage mit einem kleinen Innenhof geschaffen.

 

Das Gebäude "Klostergasse - Klosterkirche" wurde am 06.06.1984 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

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von Johannes Kessler, erschienen im rga.Buchverlag