Denkmal des Monats Dezember 2013

Heilig Kreuz Kirche Lüttringhausen

Geschichte

Gemälde "Der Friede von Münster" von Gerard ter Borch, 1648 (Quelle: Wikipedia)

Im Zuge der Reformation zwischen 1517 und 1648 nahmen große Teile des heutigen Nordrhein-Westfalens die evangelische Konfession an. Mit den Verträgen des Westfälischen Friedens von 1648 wurde unter anderem die Region des heutigen Bergischen Städtedreiecks evangelisch.

Auf Grund der alten Zugehörigkeit der Stadt Lennep, der Gemeinde Lüttringhausen und der Siedlung Remscheid zum Gebiet des Erzbistums Köln gab es hier auch nach der Reformation noch Katholiken.  

Für die Religionsausübung orientierten sich die Katholiken unter anderem nach Lennep, wo sie von den Ordensbrüdern des Minoritenklosters getauft und getraut wurden und am Gottesdienst teilnehmen konnten. Nach der Säkularisation 1803 blieb die Klosterkirche der kleinen Gemeinde zunächst als Pfarrkirche erhalten.  

Mit dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs in Folge der Industriealisierung nahm auch die Zahl der Katholiken im Remscheider Raum zu. Mit der Einweihung der Kirche St. Suitbertus im Jahr 1847 schieden die Remscheider Katholiken aus dem Lenneper Pfarrbezirk aus. Für die verbliebende Gemeinde war die Klosterkirche jedoch bald zu klein. Mit Mitteln aus einem eingerichteten Kirchenbaufonds konnte 1866-1868 eine neue Pfarrkirche, St. Bonaventura, erbaut werden.        

Im Zuge der Erhebung Lüttringhausens zur selbständigen Stadt im Jahr 1856 und dem wachsenden Selbstbewußtsein der Bevölkerung, wuchs auch der Wunsch der Lüttringhauser Katholiken nach einem eigenen Gotteshaus. Früh gründete sich ein Kirchenbauverein, um Geld für den Kirchenbau zu sammeln. Als Baugrund kam ein eigenes Grundstück an der Kreuzbergstraße in Frage, auf dem ein großes Holzkreuz stand, welches als Wallfahrtsziel diente. Auf diesem Grundstück wollte die Stadtgemeinde Lüttringhausen jedoch das neue Rathaus errichten, da die Räumlichkeiten des bisherigen Rathauses in der Gertenbachstraße nicht mehr ausreichend waren und ein repräsentativer Neubau oberhalb des historischen Ortskerns gewünscht war. 1907 stimmt die Kirchengemeinde einem Grundstückstausch zu und erhielt im Gegenzug zu dem Grundstück an der Kreuzbergstraße in der Richard-Pick-Straße, ehemals Poststraße, ein Grundstück, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft neue öffentliche Einrichtungen (Rathaus 1908, Postamt 1908, Freiwillige Feuerwehr 1928/1929) entstanden.

In Folge des 1. Weltkrieges und der Inflation dauerte es jedoch noch 18 Jahre, bis mit dem Kirchenbau im Jahr 1925 begonnen werden konnte. In der Zwischenzeit wurde 1915 der erste eigene Gottesdienst der Lüttringhauser Katholiken in der städtischen Turnhalle in der Klausener Straße abgehalten, später konnte die Kirche der Gefängnisanstalt mitgenutzt werden.

Der erste Spatenstich erfolgte am 23.08.1925 und mit der Einsegnung am 25.07.1927 konnte die Kirche der Gemeinde übergeben werden. Die Kirche wurde der Reliquie des Kreuzes Christi, auch Heiliges Kreuz genannt, geweiht.

Foto Kirchenmodell, ohne Datierung (Quelle: Historisches Zentrum)

Die Kirche wurde nach Plänen des Lenneper Architekten Otto Christ (1883-1963) erbaut. Er plante auch die Kirche St. Josef, Berghauser Straße / Ecke  Menninghauser Straße, die 1928 errichtet wurde.  

Die Lüttringhauser Gemeinde war bis zur vollen Selbständigkeit im Jahre 1970, trotz Erhebung zur "Rektoratspfarrei" im Jahr 1953, als Tochtergemeinde von Lennep abhängig. Heute bildet sie mit der Gemeinde St. Bonaventura in Lennep einen Pfarrverband.

Beschreibung

Entgegengesetzt zu den modernen Architekturströmungen der 1920er Jahre wurde der Kirchenneubau gemäß Baubeschreibung von 1925 in "heimisch bergischer Bauweise entsprechend [dem] Barockcharakter" errichtet.

Nordfassade mit Turm 2013
Die dreischiffige Kirche in neobarocker Formensprache orientiert sich in der Längsachse von Südwest nach Nordost. Auf eine Ostung des Chorraumes wurde verzichtet, da der Hauptzugang von Osten aus gewünscht war. Der fünfstöckige Glockenturm befindet sich an der Nordwestseite, unmittelbar neben dem halbrunden Chor an der Westseite. Das Satteldach ist wie die tulpenförmig geschweifte Turmhaube mit Schiefer gedeckt. Der östliche, doppelt geschweifte Giebel mit dem Haupteingang wird durch Voluten, Gesimse, rundbogige und runde Fenster gegliedert. Die Mittelachse wird durch das reich verzierte steinerne Eingangsportal betont. Ein Kreuz bekrönt diesen Giebel. Die übrigen Außenwandflächen sind mit flächiger Ornamentik zurückhaltender gegliedert. Die Traufseiten werden durch drei Fensterachsen unterbrochen. An der Nordseite befindet sich neben einem runden Treppenturm für die innenliegende Empore ein weiterer Eingang. An der rückwärtigen Traufseite ist eine kleine Kapelle angebaut. Der Chorraum an der Westseite wird durch fünf rundbogige und weitere, oberhalb liegende runde Fenster belichtet. Das Mittelschiff ist ca. zehn Meter breit. Die beiden jeweils zwei Meter breiten Seitenschiffe dienen als Erschließungsfläche.
Innenraum 2013
Die Sakristei ist im Turm untergebracht. Die Empore mit der Orgel von 1954 befindet sich an der Ostwand über dem Haupteingang. Die Decke des Mittelschiffes bildet eine in Rabitz gespannte Tonne. Altar, Kanzel und Gestühl stammen aus der Erbauungszeit.
Deckenbemalung 2013

1974 wurde die Decke des Kirchenraumes von dem Kirchenmaler Gottfried Hermann in Anlehnung an die Freskenmalerei der Romantik ausgestattet. Nach einem Wasserschaden im Chorraum in den 1990er Jahren wurden die Ausmalungen von dem gleichen Künstler wiederhergestellt.   

Die buntverglasten Fenster des Hauptschiffes stammen aus dem Jahr 1930, die des Chores von 1958.

Der Turm beherbergt drei Glocken, die mit Spenden finanziert wurden. Sie sind von unterschiedlicher Größe, die kleine wiegt ca. 500 kg, die mittlere ca. 650 kg und die große ca. 1.000 kg.  

1934 wurde an der Westseite ein Pfarrhaus mit Gemeindesaal errichtet.

Schäden am Gesims 2012 (Quelle: Brochheuser Lüttinger Architekten)

Für das Jahr 2014 Jahr sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Fassaden geplant. Im Rahmen einer Begutachtung im Jahr 2012 wurden erhebliche Schäden am Mauerwerk und den Putzflächen festgestellt. Des Weiteren soll eine neue Heizungsanlage eingebaut werden. 

 

Mit Datum vom 07.05.1987 wurde die "Hl. Kreuz Kirche - Richard-Pick-Straße 7" in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

Kontakt

+49 (2191) 16 3991
+49 (2191) 16 2302
+49 (2191) 16 3052
 

Info