Denkmal des Monats Januar 2014

Kölner Straße 82 - ehemaliges Kreishaus Lennep
Tuschzeichnung der ältesten Ansicht von Lennep nach Plönnies, um 1715

Geschichte

Im frühen 12. Jahrhundert erstmals erwähnt, entwickelte sich Lennep im 13. Jahrhundert aus einem Fronhof der Grafen von Berg zur befestigten Stadt in der Form eines Rundlings. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde Lennep zu einer Markt- und Produktionsstadt mit zentraler Bedeutung für die Umgebung. Be­günstigt durch seine Lage an der wichtigsten Fernhandelsstraße von Brügge über Köln, Dort­mund, Bremen und weiter in den Ostseeraum, trat Lennep im 13. Jahrhundert der Hanse bei und be­saß in allen großen Hansestädten Handelsniederlassungen; zur Markt-, Münz- und Zollstätte wurde Lennep im 14. Jahrhundert erhoben. Um 1400 wurde damit begonnen, Wasserkraft zum Betrieb von Eisenhütten, Hammerwerken, Schleifkotten und Walkmühlen zu nutzen. Das Schwerge­wicht lag dabei bis zum 19. Jahrhundert bei der Herstellung und dem Vertrieb von Eisenwaren und Tuchen. Mehr­mals brannte die Stadt nieder, 1325, 1563 und zuletzt im Jahre 1746. Bei dem Wiederauf­bau, der recht langsam und unter Beibehaltung des mittelalterlichen Ortsgrundrisses von statten ging, wurde das jetzige Stadtbild innerhalb der Wälle geprägt. Die Niederlegung von Stadtmauer und Toren in den 1790er Jahren und die nahezu vollständige Verfüllung des Stadtgrabens er­mög­lichten die Er­weiterung der Stadt über die durch die Befestigung gesetzten Grenzen hin­aus.

Nach dem Ende der französischen Vorherrschaft in Europa wurde auf dem Wiener Kongress 1814/15 eine neue politische Ordnung geschaffen. Durch die Kongressakte vom 09.06.1815 fielen die ehemaligen Herzogtümer Jülich und Berg an das Königreich Preußen. Die Rheinlande wurden zunächst in zwei rheinische Provinzen gegliedert, 1822 jedoch zur Preußischen Rhein­provinz zusammengefasst. Die Rheinprovinz gliederte sich in fünf Regierungsbezirke: Aachen, Düsseldorf, Koblenz, Köln und Trier. Zu den 14 Kreisen des Regierungsbezirkes Düsseldorf gehörte Lennep.

Der Kreis Lennep wurde zum 01.05.1816 ins Leben gerufen. Das Kreisgebiet umfasste die Bürgermeisterei Lennep, Lüttringhausen, Hückeswagen, Radevormwald, Remscheid (bis 1887), Ronsdorf, Wermelskirchen, Dabringhausen und Burg.

Wappen Landkreis Lennep

Durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 07.03.1928 wurde die Genehmigung zur Führung eines Wappens und eines Dienstsiegels erteilt.

Die Beschreibung zum Wappen lautet: "In Grün, unter aufrechtem weißem Wellensparren, ein weißes Schildchen, darin auf blauem Dreiberg ein roter Zinnenturm mit einem Erker (Pechschütte) links, blauem Dach und schwarzem Tor, in welchem ein rotes Fallgitter hängt. Aus einem Fenster über dem Tor springt nach rechts, abwehrbereit, ein halber zwiegeschwänzter Löwe, blaubewehrt und blaubekrönt. Der Schild wird gehalten von dem Bergischen Löwen. Der Wellensparren deutet auf den lebenswichtigen Strom, die Wupper; das Schildchen mit dem Turm steht für das stolze Schloss des mächtigen, bergischen Grafengeschlechtes, für Schloss Burg, welches Eigentum des Landkreises Lennep ist."

Der Landkreis Lennep bestand bis zum 08.07.1929. Auf Beschluss des Preußischen Landtages wurde er aufgehoben, als die Kreisstadt Lennep zusammen mit einem Teil der Stadtgemeinde Lüttringhausen und mit der aus dem Kreis hervorgegangenen Stadt Remscheid zu einer Großstadt vereinigt wurden. Die kommunale Neugliederung trat am 01.08.1929 in Kraft.

In der Zeit des Bestehens des Landkreises gab es sieben Landräte und drei Landrätliche Kommissare: Franz Josef Freiherr von Ritz (1816-1817), Friedrich Heidweyler (1817-1823), Emil August von Bernuth (1823-1866), Gustav Petersen (1866 - kommissarisch), Lambert Rospatt (1866-1871), Walther Jentsch (1871-1882 - kommissarisch), Richard Koenigs (1882-1900), Friedrich Hentzen (1900-1923), Dr. Müller (1923 - kommissarisch), Ludwig Beckhaus (1923-1929). Einige dieser Namen finden sich heute in Lenneper Straßenbezeichnungen wieder: Rospattstraße und Hentzenallee.

Ansicht 1900 (Quelle: Historisches Zentrum)

Beschreibung

In den Jahren 1887 bis 1889 ließ der Landkreis Lennep nach Plänen des Berliner Regierungsbaumeisters Franz Schwechten (1841-1924) an der Kölner Straße das Kreishaus als Sitz des Landratsamtes errichten.

Schwechten war ein äußerst produktiver Baumeister und zu seiner Zeit einer der berühmtesten. Eins seiner bekanntesten Werke ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Auch wenn im linken Giebel der straßenseitigen Hauptfassade die Jahreszahl 1888 angebracht ist, wurde das Gebäude erst ab 1889 umfänglich genutzt. Hierzu heißt es in einem Verwaltungsbericht des Kreis-Ausschusses für das Jahr 1889: "Das Kreishaus ist nach seiner vollständigen Fertigstellung am 01. Mai 1889 bezogen."

Der Haupteingang lag früher mittig in der 2-geschossigen Hauptfassade an der Kölner Straße. Heute erfolgt die Erschließung über die beiden seitlichen Eingänge. Der Mittelrisalit auf der linken Gebäudeseite weist im Bogenfeld einen preußischen Adler auf. Der Mittelbau steht traufenständig zu fünf Achsen. Die Erdgeschossfenster sind flachbogig und mit Keilstein ausgeführt, die Obergeschossfenster dagegen mit geradem Sturz. Das Traufgesims des Steildaches liegt auf Konsolen auf. An der Südseite existiert ein runder Treppenturm mit Haube und Laterne, über den zusätzlich das Dachgeschoss erschlossen werden kann. Die zurückhaltend gestaltete Ziegelsteinfassade wird durch die verschiedenen Giebel und deren schmiedeeiserne Bekrönungen akzentuiert.

Nutzung

Nachdem der erste Verwaltungssitz des Landkreises Lennep im Gebäude Thüringsberg 6 zu klein geworden war, wurde das neue Kreishaus an der Kölner Straße errichtet, das bis zur kommunalen Neugliederung von der Kreisverwaltung genutzt wurde. Neben den Amtsstuben befanden sich in dem Gebäude ein großer Sitzungssaal mit Beratungszimmer für die Kreissitzungen, Büros der Bergischen Handelskammer sowie Räume für eine Abteilung der Rheinisch-Westfälischen Textilberufsgenossenschaft. In der 1. Etage befand sich die Privatwohnung des Landrates. 

Ansicht 1939 (Quelle: Historisches Zentrum)
Rückseite 1950er Jahre (Quelle: Historisches Zentrum)

Im Dritten Reich wurde das inzwischen leerstehende ehemalige Kreishaus von der NSDAP genutzt. In dieser Zeit wurde es als "Hermann-Göring-Haus" bezeichnet. Bei dem Bombenangriff am 10.03.1945 auf Lennep, der den Industrieanlagen im Lenneper Süden und dem Lenneper Bahnhof galt, wurde das Gebäude beschädigt. Die größten Schäden wurden nach Kriegsende nur notdürftig ausgebessert.

1952 erfolgte durch die Stadt Remscheid eine Sanierung zunächst des Erdgeschosses, in das im Sommer 1953 die Realschule, volkstümlich auch Mittelschule genannt, einzog. Im Zuge der weiteren Sanierung konnten einige Jahre später auch die weiteren Etagen für die Schulnutzung hergerichtet werden. Nach dem Auszug der Realschule im Jahr 1973 wurde das Gebäude weiter für schulische Zwecke genutzt. Heute hat dort die Pestalozzi-Schule ihren Sitz.

Detail Fassadenarbeiten 1998

Die umfangreiche Sanierung des Baudenkmales erfolgte in den Jahren 1998 - 2000. Hierbei wurden unter anderem die Fenster erneuert, die Fassaden überarbeitet (gereinigt, neu verfugt, hydophobiert), die Dacheindeckung in Schiefer einschließlich der Giebelbekönungen und der Wetterfahne wiederhergestellt. Im Inneren wurden die Oberflächen der Räume und die Sanitäranlagen erneuert. Mit der Errichtung von Treppenraumabtrennungen wurden brandschutztechnische Forderungen umgesetzt.  

Das Gebäude "Kölner Straße 82 - ehemaliges Kreishaus Lennep" wurde am 10.12.1985 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.    

 

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