Denkmal des Monats März 2014

Autobahnbrücke Diepmannsbach

Geschichte

Weg von Ehringhausen Richtung Eschbachtal

Die Straßen- und Wegeverbindungen wie wir sie heute kennen haben ihren Ursprung im Altertum. Die sogenannten Altstraßen waren historische Wege, die hauptsächlich als Handelswege und Heerstraßen genutzt wurden und in der Mehrheit unbefestigte Naturwege waren. Die ersten befestigten Wegeverbindungen in Europa wurden durch die Römer errichtet. Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde das vorhandene Wegenetz weiterhin genutzt, jedoch auf Grund mangelnder Pflege mehr und mehr als unbefestigte Trassierungen.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in Frankreich mit dem Bau von Chausseen, den sogenannten "Kunststraßen", begonnen. Diese Kunststraßen waren ausgebaute, mit fester Fahrbahndecke versehene, geradlinig verlaufende Landstraßen, ohne große Steigungen.  Die Chausseebauweise breitete sich in ganz Europa aus. Zu Beginn dienten die Straßen  hauptsächlich militärischen Zwecken, im Laufe der Zeit erlangten sie jedoch auch für den Handel und den Individualverkehr große Bedeutung. Mit ihnen wurde die Grundlage für einen verbesserten Warenaustausch in der frühindustriellen Epoche geschaffen.

Im Bergischen Raum wurde um 1775 der bedeutende Fernhandelsstraße Köln-Lübeck auf Grund seiner wirtschaftlichen Bedeutung zur Chaussee ausgebaut. Diese Kunststraße führte von Elberfeld kommend über Ronsdorf, Lüttringhausen, Lennep, Bergisch Born, Wermelskirchen und Schlebusch nach Köln, die heutige Bundesstraße 51.  

Während die Chausseen vom Staat gebaut wurden, wurden die Straßen in den Städten meist von ortsansässigen Eigentümern bedeutender Handelshäuser und Fabrikanten hergestellt. Diese hatten ein wirtschaftliches Interesse an einer besseren und schnelleren Verkehrsverbindung, da so der Transport ihrer Waren schneller erfolgen konnte. In Remscheid führten die ersten gepflasterte Straßen zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Hasten nach Müngsten und von Gerstau nach Cronenfeld. Ziel war es, eine schnellere und direkte Anbindung an den Rhein herzustellen.  

Topografische Karte mit Darstellung der Verkehsverbindung im 19. Jahrhundert (Quelle: Leitplan Stadt Remscheid 1959, Hg. Stadt Remscheid)

Anfang des 20. Jahrhunderts waren die meisten Straßen noch unbefestigt. Doch auf Grund der Zunahme des Verkehrs und insbesondere mit der Entwicklung von motorbetriebenen Fahrzeugen stiegen die Anforderungen an den Straßenbau. Zunächst wurden Teer, Bitumen und Beton zur Straßenbefestigung verwendet. Hieraus entwickelten sich neue Bauweisen,  wodurch der Straßenbau wirtschaftlicher und schneller wurde. Zeitgleich wurde das bestehende Straßennetz ausgebaut.    

Anfang der 1920er Jahre begannen in Deutschland Planungen für mehrstreifige, ampel- und kreuzungsfreie Schnellstraßen. Der anfängliche Begriff "Autobahnstraße" wurde durch  "Autobahn" in Analogie zur "Eisenbahn" ersetzt und setzte sich Ende der 1920er Jahre durch. Als erste Autobahnstraße galt die AVUS (Automobil-Verkehrs-und-Übungsstraße) in Berlin, die 1921 eröffnet wurde. Die erste Autobahn entstand zwischen Köln und Bonn in den Jahren 1929 - 1933. 

Der Autobahnausbau wurde mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 beschleunigt. Das Projekt "Reichsautobahn", auf Grundlage der bereits vorliegenden detaillierten Planungen aus den 1920er Jahren, wurde zum einen als Maßnahme gegen die seit der Weltwirtschaftskrise hohe Arbeitslosigkeit propagiert. Diese Maßnahme hatte jedoch nur einen geringen Anteil am Abbau der damaligen Massenarbeitslosigkeit. 1936 war mit  130.000 eingesetzten Arbeitern die Höchstzahl erreicht. Zum anderen versprach die politische Führung die Mobilität der Bevölkerung. Strittig ist, ob der Autobahnbau für die Kriegsvorbereitungen von Bedeutung war. In den Jahren 1941/42 wurden die Baumaßnahmen an den Autobahnen auf Grund der Kriegsauswirkungen fast vollständig eingestellt. Ende 1943 waren die Autobahnen auf einer Gesamtlänge von 3.896 km ausgebaut, 2013 waren es 12.879 km.

Anschlussstelle Remscheid vor 1951 (Quelle: Leitplan Stadt Remscheid 1959, Hg. Stadt Remscheid)

Mit dem Bau der heutigen Bundesautobahn 1 (BAB1) wurde Mitte der 1930er Jahre begonnen. In den Jahren 1936 bis 1942 wurden mehrere Teilstücke der Gesamtstrecke von Heiligenhafen an der Ostsee bis nach Saarbrücken fertig gestellt. So auch das 25 Kilometer lange Teilstück vom Kreuz Leverkusen Richtung Nordosten bis zur Anschlussstelle Wermelskirchen. Der nächste geplante Bauabschnitt bis zur Anschlussstelle Wuppertal, für den mehrere Brückenbauwerke notwendig waren, wurde auf Grund des Zweiten Weltkrieges ab 1942 nicht weitergebaut.  

Mit den Arbeiten an der Brücke auf Remscheider Stadtgebiet im Bereich des Diepmannbachtals wurde bereits 1938 begonnen. Als die Arbeiten kriegsbedingt eingestellt wurden, war die Brücke bereits zu dreiviertel fertiggestellt, es fehlten unter anderem noch drei Brückenbögen, die gesamte Fahrbahndecke und die Entwässerung. Ab 1951 erfolgte der Weiterbau der BAB1 und die restlichen Arbeiten an der Diepmannsbachtal-Brücke konnten 1953/54 abgeschlossen werden.  

Im Rahmen des 6-spurigen Ausbaus der BAB1 zwischen den Autobahnkreuzen Leverkusen und  Kamen wurde 1992 bis 1995 eine neue Brücke neben der bestehenden Brücke über das Diepmannsbachtal errichtet.  

Wußten Sie, dass alle Autobahnen mit graden Ziffern von West nach Ost und die mit ungraden Ziffern von Nord nach Süd verlaufen? Dieses Nummerierungssystem wurde 1975 eingeführt.

Diepmannsbachtal-Brücke 1950er Jahre (Quelle: Historisches Zentrum)

Beschreibung

Bei der 1938 erbauten Diepmannsbachtal-Brücke handelt es sich um eine 355 Meter lange und zwischen den Gesimskanten 21,80 Meter breite, in Mischbauweise erstellte Autobahnbrücke. Sie hat 11 Kreissegmentbögen und wurde mit einem Halbmesser von 1.000 Meter errichtet.

Ansicht Pfeiler 2014

Die Pfeiler und die beiden Widerlager sind flach gegründet, wobei die Fundamente unterschiedlich breit und dick sind. Die Pfeiler wurden mit Beton hergestellt und die Seitenansichten mit Natursteinen aus farblich abgestufter Grauwacke mit Eckquaderungen verkleidet. Die Bögen bestehen aus einem über einem Leergerüst errichteten Ziegelsteinmauerwerk, dass anschließend mit Beton verfüllt wurde. Das durchlaufende Gesims kragt über das Stirnmauerwerk aus und wird von schmalen Konsolsteinen gestützt. Die Entwässerung der Fahrbahn befindet sich in den von außen nicht sichtbaren Sparbögen. Sie wird durch Querleitungen an die Fallrohre in den Pfeilern angeschlossen.

Ursprünglich standen je Fahrbahnrichtung 8,90 Meter zur Verfügung. Der Mittelstreifen wurde im Zuge des Autobahnausbaus in den 1990er Jahren entfernt, sodass die Brücke heute nur noch die Fahrbahn in Richtung Remscheid aufnimmt. Die Betonplatten der alten Fahrbahn wurden als zerkleinertes Abbruchmaterial dem Unterbau der neuen Fahrbahn als Zuschlagstoff beigefügt.

Ansicht 2014

Die für den Ausbau der Autobahn notwendige neue Brücke wurde der alten östlich vorgelagert erbaut. Hierbei wurden die Brückenpfeiler in der Flucht der ursprünglichen Brücke errichtet.

 

Die Diepmannsbachtal-Brücke wurde am 11.03.1985 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

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Buchtipp

Buchtipp
"Die Bergisch-Märkische Autobahn" Leverkusen - Kamen 1948-1958, erschienen im Sutton-Verlag