Denkmal des Monats Juni/Juli 2014

Hardtstraße 2 - Gemeinschaftsgrundschule Freiherr-vom-Stein

Geschichte

1120 erstmals erwähnt, entwickelte sich Lennep im 13. Jahrhundert aus einem Fronhof der Grafen von Berg zur befestigten Stadt in der Form eines Rundlings. Bis zum Ende des 18. Jahr­hunderts wurde Lennep zu einer Markt- und Produktionsstadt mit zentraler Bedeutung für die Umgebung. Begünstigt durch seine Lage an der wichtigsten Fernhandelsstraße von Brügge über Köln, Dortmund, Bremen und weiter in den Ostseeraum, trat Lennep im 13. Jahrhundert der Hanse bei und besaß in allen großen Hansestädten Handelsniederlassungen. Im 14. Jahrhundert wurde Lennep zur Markt-, Münz- und Zollstätte erhoben. Um 1400 wurde damit be­gonnen, Wasserkraft zum Betrieb von Eisenhütten, Hammerwerken, Schleifkotten und Walk­mühlen zu nutzen. Der Schwerpunkt lag bis zum 19. Jahrhundert in der Herstellung und dem Vertrieb von Eisenwaren und Tuchen. Mehrmals brannte die Stadt nieder, 1325, 1563 und zuletzt im Jahre 1746. Bei ihrem letzten Wiederaufbau, der recht langsam und unter Beibehaltung des mittelalterlichen Ortsgrundrisses erfolgte, wurde das jetzige Stadtbild innerhalb der Wälle geprägt. Die Niederlegung von Stadtmauer und Toren in den 1790er Jahren und die nahezu vollständige Verfüllung des Stadtgrabens ermöglichten die Erweiterung der Stadt über die durch die Befestigung gesetzten Grenzen hinaus.

Ansicht um 1900 (Quelle: Stadtarchiv Remscheid)

Mit der Erweiterung der Stadt wuchs auch die Bevölkerungszahl. Die Zunahme von schulpflichtigen Kindern nach Einführung des allgemeinen Schulzwangs in der Rheinprovinz 1825 machte den Bau neuer Schulen erforderlich.

1852 gründeten etwa vierzig Lenneper Familien mit Genehmigung der Königlichen Regierung zu Düsseldorf eine Höhere Privat-Lehranstalt "um Knaben im Alter von 11 bis 16 Jahren diejenige Erziehung zu geben, die zu einer allgemeinen höheren Bildung und zum geschäftlichen Leben notwendig war". 1855 wurde die Schule von der Stadt übernommen und aufgrund des Lehr­angebotes zur städtischen "Höheren Bürgerschule" erhoben. Ab 1862 durfte sich die Schule dann nur noch "Höhere Stadtschule" nennen, da nur noch vier Klassen unterrichtet wurden. Dies änderte sich wiederum mit der Ausweitung des Unterrichtes und ab 1868 wurde die Be­zeichnung wieder in "Höhere Bürgerschule" geändert.

Ansicht 1929 (Quelle: Publikation der Stadt Lennep von 1929)

Der Platzmangel sowie der Erlass der "Allgemeinen Vorschriften für die räumliche Gestaltung der Schulgebäude" führte 1868/69 zum Neubau des Schulgebäudes an der Hardtstraße 2 (früher: Vicarie Gasse). Die Baukosten übernahmen wohlhabende Lenneper Bürger. Im Treppenhaus zur Aula erinnert eine Gedenktafel aus Marmor an die Spender und nennt ihre Namen.

Das Gebäude wurde mehrfach erweitert. In die ehemalige Hausmeisterwohnung im Dach­geschoss zog 1997 das "Tuchmuseum" ein.

Beschreibung

1868/69 wurde das Schulgebäude vom Lenneper Baumeister Albert Schmidt errichtet. Aus­weislich eines Flurkartenauszuges stand das 9-achsige, 3-geschossige Haupthaus noch bis 1900 frei, die rückwärtige Turnhalle existierte bereits. Die beiden seitlichen, 2-geschossigen Anbauten und der Verbindungsbau zur Turnhalle wurden später errichtet.

Ansicht 2014
Katasterauszug 2014 mit Bauphasen (Quelle: Untere Denkmalbehörde)

Die traufständige Baugruppe entwickelt sich längs der Hardtstraße. Die beiden Anbauten sind zur Straße hin leicht vorgezogen.  

Die Schieferfassaden sind in klassizistischer Formgebung streng geometrisch gestaltet, Vor- und Rücksprünge variieren die Fassadenabwicklung. Den Mittelrisalit ziert ein Dreiecksgiebel. Giebel und Traufgesimse sind mehrfach gestuft und mit Zahnschnitt ausgeführt. Die regel­mäßige, enge Fensterstellung bestimmt im Wesentlichen den Gesamteindruck.

Foto Buntglasfenster
Buntglasfenster (Quelle: Untere Denkmalbehörde)

Der Haupteingang der Schule liegt im nördlichen Anbau von 1907, in dem sich auch die Aula befindet. 

Im Treppenhaus befindet sich neben der o. g. Gedenktafel auch ein geschosshohes, 3-bahniges Fenster mit Buntgläsern im Jugendstil-Dekor, welches den Spruch "Ohn Fleiss kein Preis" ziert. 

Der Zugang zum "Tuchmuseum" erfolgt über die Treppenanlage im ursprünglichen Baukörper. 

 

Das Gebäude "Hardtstraße 2" wurde am 10.12.1985 die Denkmalliste der Stadt Remscheid ein­getragen.